Frauen im B2B-Vertrieb: Empathie, Direktheit & Myth-Busting
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In dieser Folge
Folge 18 der Reihe Dialing Out. Dominka spricht mit Nina Debeljak, Projektmanagerin bei OB2B, über Frauen im B2B-Vertrieb. Nina ist eine von 19 oder 20 Frauen bei OB2B, und ihre Ansprechpartner sind zu rund 90 Prozent Männer, meist in IT-, Logistik- und herstellenden Unternehmen.
Ihr hört, wo Zuhören, Geduld und Direktheit am Telefon helfen, wie Nina mit privaten Nachrichten von Kunden umgeht, warum Vertrieb zu Müttern passt und warum Dominka nichts von Provisionen hält. Zum Schluss prüfen beide sieben Verkaufsmythen.
Lesezeit: 15 Minuten
Wir besprechen
- Frauen im Sales: OB2B als Bubble
- Sind Entscheider meistens Männer?
- Frauen auf Kundenseite in der Projektvorbereitung
- Sind Frauen in der Kaltakquise zu sanft?
- Geben Frauen schneller auf? Geduld zahlt sich aus
- Werden Frauen im Vertrieb herablassend behandelt?
- Hilft weiblicher Charme am Telefon?
- Wenn ein Kunde privat schreibt
- Empathie oder Ziel: Grenzen statt People Pleasing
- Nicht persönlich nehmen und Kollegen fragen
- Mütter im Vertrieb: Homeoffice und Kinderwunsch
- Erfolgsfaktor: direkt, empathisch, zuhören
- Charme oder Kompetenz? Zwei Geschichten
- Wettbewerb ohne Provision
- Mythos 1: Haben Frauen es leichter?
- Mythos 2: Emotionen im Vertrieb
- Mythos 3: Nach „kein Interesse“ aufgeben?
- Mythos 4: Bauchgefühl statt CRM?
- Mythen 5 und 6: Empathie und Direktheit
- Mythos 7: Kann man Abschlussstärke lernen?
- Fazit: Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich
Show Notes
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0:59Frauen im Sales: Warum ist OB2B eine Bubble?
Weil bei OB2B viel mehr Frauen im Vertrieb arbeiten als Männer, sagt Dominka: „Wir leben bei uns im Unternehmen von Anfang an in so einer kleinen Bubble.“ Nina, eine von den Projektmanagerinnen, ist eine von den 19 oder 20 Frauen, die bei OB2B arbeiten. Der Vertrieb ist eine männliche Welt, „aber bei OB2B ist es eigentlich ein bisschen anders“. Die Männerquote ist gering, „daher passen wir auch ganz gut auf unsere Jungs auf“, sagt Dominka.
- Dominka will über Feingefühl, Einfühlungsvermögen und die Rolle der Frau in einer männlichen Vertriebswelt sprechen.
- Bei OB2B machen fast alle Vertrieb, und die meisten davon sind Frauen.
- Zum Schluss gibt es ein Spiel mit sieben Verkaufsmythen, vorbereitet von Kim.
3:26Sind Entscheider im B2B-Vertrieb meistens Männer?
Ja, in den meisten Branchen, sagt Nina: Bei den Ansprechpartnern in ihren Projekten sind es „bei 90 Prozent immer die Männer“. OB2B arbeitet meistens mit IT-, Logistik- und herstellenden Unternehmen. Ruft man das Marketing oder die Personalabteilung an, ist öfter eine Frau die Entscheidungsträgerin; dort braucht man laut Nina die Einfühlsamkeit und Empathie, die Frauen mitbringen. Auch als BDR hat Nina zu 90 Prozent mit Männern gesprochen, aber fast immer gab es eine Frau im Team, die weiterhelfen wollte und über die sie zum Richtigen kam.
- Die Branche entscheidet: In Marketing und HR sind öfter Frauen die Entscheiderinnen.
- In IT-, Logistik- und herstellenden Unternehmen sind die Entscheider meist Männer.
- Eine hilfsbereite Kollegin im Team des Kunden führt oft zum richtigen Ansprechpartner.
5:49Warum laufen Projekte leichter, wenn beim Kunden eine Frau dabei ist?
Weil Frauen auf Kundenseite auf die Details achten, sagt Nina: In der Vorbereitungsphase sind viele Details zu erledigen, und „die Damen sind eigentlich diejenigen, die immer auf diese Details aufpassen“, sodass alles pünktlich fertig wird. Dominka hat erlebt, dass Projekte viel einfacher einzuführen sind, wenn in der Projektvorbereitung eine Frau dabei ist. Locker sind sie nicht immer, aber nach einer Zeit versteht man sich auf einer anderen Basis als mit Männern, „die vielleicht sehr oft einfach nur nach Zahlen schauen“. Am Anfang sind Frauen oft vorsichtiger, aber auch direkter, und sie sprechen Bedenken leichter aus.
- Frauen auf Kundenseite sorgen dafür, dass in der Vorbereitung alles pünktlich steht.
- Am Anfang sind sie in der Kommunikation oft vorsichtiger.
- Mit etwas Zeit zum Kennenlernen wird die Kommunikation leichter.
7:16Sind Frauen in der Kaltakquise zu sanft?
Nein, es gibt keinen großen Unterschied, sagt Nina: Die Leute denken immer, es mache viel aus, ob eine Frau oder ein Mann den Cold Call tätigt, aber es gibt so viele andere Faktoren. Ein Vorteil von Frauen sei vielleicht, dass sie den Ansprechpartner leichter oder schneller verstehen und besser spüren, was die andere Person braucht. Den Grund sieht Nina darin, „dass die Frau eigentlich ein besserer Zuhörer ist“.
- Ob ein Mann oder eine Frau anruft, macht laut Nina keinen großen Unterschied.
- Frauen erfassen oft schneller, was der Ansprechpartner braucht.
- Zuhören ist der Vorteil, den Nina bei Frauen sieht.
8:42Geben Frauen in der Kaltakquise schneller auf?
Eher nicht, sagt Nina: Frauen haben mehr Geduld und sind „nicht so aufdringlich“. Sagt jemand, er habe wirklich keinen Bedarf, lassen sie es „für einige Wochen oder Monate“, „und dann kommt eigentlich auch das Resultat“. Dominka vermutet ein bisschen Mutterinstinkt („Er muss noch lernen“) und kennt beides: einen Kontakt aus Wut wegzuschmeißen oder zu denken, sie müsse es anders machen, und es nach einer Zeit noch mal zu versuchen. Ob Männer nach zwei Fehlversuchen ein drittes Mal anrufen würden, bezweifelt sie.
- Sagt jemand, er habe keinen Bedarf, wartet Nina einige Wochen oder Monate.
- Mehr Geduld führt laut Nina am Ende zum Resultat.
- Männer machen sich laut Dominka leichter einen Hitzkopf über ein schlechtes Gespräch.
10:35Werden Frauen im B2B-Vertrieb herablassend behandelt?
Nina sagt klar: Nein, sie hatte keine schlechte Erfahrung, weder in der Kaltakquise noch mit Partnern, auch nicht, wenn sie einen Logistikleiter angerufen hat. Als Projektmanagerin übernimmt sie Projekte, für die Kolleginnen schon die Vorarbeit geleistet und eine gute Beziehung aufgebaut haben. Die weibliche Stimme kann am Telefon manchmal sogar hilfreich sein. Ein schlechtes Gespräch hat man ab und zu, aber das hängt nicht vom Geschlecht ab: „manchmal ist es nur die schlechte Laune beim Ansprechpartner“. Dominka ergänzt: In der IT hat sie das Gefühl, dass es nicht so Macho-Männer sind; bei herstellenden Unternehmen ein bisschen mehr, und in der Logistik stellt man sich manchmal jemanden vor, der denkt: „Was weißt du denn von Logistik?“
- Nina hatte als Frau am Telefon nie eine wirklich unangenehme Situation.
- Bei der IT-Abteilung braucht man laut Nina viel Geduld.
- Ob ein Gespräch schlecht läuft, hat nicht mit dem Geschlecht zu tun.
13:34Hilft weiblicher Charme am Telefon?
Manchmal ja, gibt Nina zu: Auf Dominkas Frage antwortet sie „Vielleicht“, und Dominka übersetzt: „Das ist ein eindeutiges Ja.“ Am Telefon ist es etwas einfacher, weil man den Ansprechpartner nicht sieht, und wenn eine BDR ein Meeting organisiert, denken die Ansprechpartner oft, sie nehme auch teil. Face to face mit Partnern zählen dann aber die Kompetenz, die Ergebnisse und die Kommunikation. Dominka findet das völlig in Ordnung: Eine sympathische Beziehung mit Wärme und Kompetenz „ist eine gute Kombination“.
- Am Telefon hat der weibliche Faktor laut Nina „mehrmals eigentlich geholfen“.
- Im Meeting mit Partnern zählen Kompetenz und Ergebnisse mehr.
- Wärme plus Kompetenz ist für Dominka genau das, was Vertrieb machen sollte.
15:27Was tun, wenn ein Kunde privat schreibt?
Ignorieren, sagt Nina. Schreibt ein Kunde privat, per Handy oder über Instagram, würde sie sich schlecht fühlen, weil dann nicht ihre Arbeit, Kompetenz und Leistung zählen, sondern dass sie eine Frau ist oder wie sie aussieht. Auch für Dominka ist es die einzige Option, das zu ignorieren oder mit Humor zu überspielen, sich abzugrenzen und weiterzumachen. Charme ist dabei nicht nur Frauensache: Laut Nina nutzen auch die männlichen Kollegen ihren Charme bei den Damen an der Zentrale.
- Laut Dominka passiert so etwas Frauen wahrscheinlich viel häufiger.
- Die beste Reaktion: sich abgrenzen, weiterarbeiten, das Beste geben.
- Den Charme ausnutzen zu können, nennt Dominka auch eine Kompetenz.
17:23Empathie oder Ziel: Wie bleibt man empathisch, ohne zu sanft zu sein?
Mit klaren Grenzen und direkter Kommunikation, sagt Nina. Wer ständig zu sanft bleibt, hat wie im privaten auch im professionellen Leben ein Problem. Man kann sehr empathisch sein und trotzdem klar sagen, was das Ziel ist, was man will und was geplant ist. Die Gefahr ist People Pleasing: „nie Nein sagen zu können und immer Ja zu sagen“. In der Beziehung zu einem Partner ist es deshalb sehr wichtig, klare Grenzen zu setzen und zu zeigen, was man am besten kann.
- Nina setzt sich eine Grenze und ein klares Ziel.
- Empathie und Direktheit schließen sich nicht aus.
- People Pleasing heißt, Dinge zu tun, die man selbst nicht machen würde.
19:13Was tun, wenn man den Kunden nicht umstimmen kann?
Abgrenzen und wissen, dass man sein Bestes gegeben hat, sagt Nina. Natürlich fühlt sie sich manchmal persönlich betroffen, wenn ein Partner einen Weg nicht mitgeht, den sie für besser hält. Ist sie unsicher, bespricht sie das Thema mit Kollegen und holt sich einen Ratschlag. Und sie versucht zu verstehen, warum der Partner anderer Meinung ist. Dominka findet, Frauen verlassen sich viel eher auf Kollegen; Nina sieht den Grund darin, dass Männer denken, sie müssten alles allein machen. „Das müssen sie eigentlich nicht.“
- „Ich weiß, ich hab mein Bestes gegeben“ ist Ninas Maßstab.
- Kolleginnen sprechen laut Nina offener über Probleme und suchen eher Rat.
- Dominka erlebt einen Kollegen, der so viel wie möglich allein machen will.
22:16Passt Vertrieb zu Müttern?
Ja, zumindest bei OB2B, sagen beide. Vertrieb ist für Dominka „so ein Soft-Skill-Job“: Man muss nicht ackern gehen oder um 4 Uhr morgens aufstehen und kann das Leben zu Hause gut mit dem Job verbinden. Laut Nina arbeiten von den Kolleginnen, die Mütter sind, die meisten oder fast alle im Homeoffice; viele kamen aus ganz anderen Berufen, weil sie sich hier mit Kindern leichter organisieren. Zur LinkedIn-Debatte, ob man sich ein Kind trauen sollte, sagt Dominka: Wo man fast alles online machen kann, ist das „nicht das wahre Hindernis“, und Kolleginnen sind nach den Kindern halbtags oder ganztags zurückgekommen. Ihr Fazit: „Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich.“
- Auch viele Ansprechpartner auf Kundenseite arbeiten laut Nina im Homeoffice.
- Für viele Kolleginnen ist dieser Job laut Nina „der beste Job“.
- Mütter kommen bei OB2B halbtags oder später wieder ganztags zurück.
25:44Was ist der Erfolgsfaktor für Frauen im Vertrieb?
„Direkt zu sein, empathisch zu sein, gut zuzuhören“, sagt Nina, und dann auf das zu reagieren, was der Ansprechpartner gesagt hat; das vergessen viele. Dominka ergänzt: Gut tut auch Lob von außen, und weil die Entscheider meist Männer sind, kommt es oft von der männlichen Seite. In einer männlich geprägten Branche wie der Logistik sind Kunden manchmal froh, weil sie nicht erwartet haben, dass eine Frau dort so kompetent sein kann. Am Anfang sind viele vorsichtiger, aber „wir überzeugen sie sehr schnell“, sagt Nina. Vorurteile hat jeder; sie aus der Welt zu schaffen, ist für Dominka eine Win-win-Situation.
- Zuhören und dann darauf reagieren vergessen laut Nina viele.
- Lob von Entscheidern gibt es gerade aus der Logistik.
- „Jeder Mensch hat Vorurteile“, sagt Nina.
27:46Charme oder Kompetenz: Was überzeugt Partner?
Beides, zeigen Dominkas zwei Geschichten. Zwei männliche Kollegen fanden einen Termin „ein bisschen zäh“, den Interessenten „altbacken“ und glaubten, „da wird nix draus“. Beim Folgemeeting mit Dominka und einem Kollegen drehte sich die Stimmung, und der Interessent wurde später Partner; für Dominka war das „nicht nur die Kompetenz, sondern schon ein bisschen der weibliche Charme“. Umgekehrt beschwerte sich ein Partner per E-Mail über Aussprache und Duktus eines BDR. Dominka garantierte „sehr kompetente Meetings“ und behielt recht: „Es liegt nicht immer an der Stimmlage.“
- Dominka ging mit der Haltung ins Meeting: „Hey, lass uns das halt machen.“
- Der kritisierte BDR war die einzige Person, die das Projekt machen konnte, und lieferte am Telefon.
- Bei OB2B ist es laut Dominka wichtig, „aneinander zu glauben“.
31:42Braucht der Vertrieb Konkurrenz und Provision?
Nein, finden beide. Zwischen Frauen gibt es bei OB2B keinen Wettbewerb, sagt Nina: Jede Person hat ihr eigenes Projekt und gibt ihr Bestes. Der einzige Wettbewerb: Eine Kollegin und ein Kollege, die zusammensitzen, messen sich darin, wer mehr Telefonate in einer Stunde macht, für Dominka „ein absolut wunderbarer Wettbewerb“. Provision dagegen führt laut Dominka zu Konkurrenzkampf, und dann geht es nicht mehr darum, mit Partnern nachhaltig zu wachsen und gute Leads zu vereinbaren. Nina hält Provision für „eine männliche“ Idee, die Frauen mit Familie und Kindern das Arbeiten im Vertrieb erschwert; OB2B arbeitet nicht so.
- Wettbewerb soll das ganze Team nach vorne bringen, nicht dazu führen, dass man sich im Team untereinander misst.
- Ohne Provision haben Kolleginnen mit Kindern größere Chancen und mehr Lust zu bleiben.
- Marija Kovačić hat laut Dominka das Gefühl, als Mutter eine bessere Vertrieblerin geworden zu sein, weil sie mit ihren Kindern viel verhandelt.
34:44Mythos 1: Haben Frauen es in der Kaltakquise leichter?
Falsch, sagt Nina: „Keiner hat es leichter“, es hängt von der Person ab und nicht vom Geschlecht. Dominka ergänzt, Kaltakquise sei auch „voll viel Glück“: Jenny hatte drei Tage zuvor einen Termin bei einem Unternehmen vereinbart, das gerade auf der Suche war. Auch Nina hatte als BDR so einen Fall: Der Ansprechpartner hatte eine Referenz gelesen und wollte sich in dieser Woche selbst bei OB2B melden, als sie anrief. „Totaler Jackpot.“ Die meisten Anrufe enden aber mit „ist nicht da oder kein Interesse“.
- Erfolg am Telefon hängt von der Person ab, nicht vom Geschlecht.
- „Passiert aber nicht jeden Tag“, sagt Nina über solche Glückstreffer.
- Nina rief genau in der Woche an, in der sich der Ansprechpartner wegen einer Referenz melden wollte.
36:54Mythos 2: Haben Emotionen im Vertrieb nichts verloren?
Doch, aber dosiert, sagt Nina: Wichtig ist, wann, wie und zu wem man welche Emotionen zeigt. Im Termin mit einem Partner weint man nicht und erzählt nicht aus dem Privatleben, kann aber ehrlich sagen: „Na ja, ich hatte jetzt nicht die beste Woche, aber freue mich jetzt auf das Meeting.“ Mit langjährigen Partnern, mit denen OB2B zwei, drei Jahre lang jede Woche spricht, wäre es laut Nina komisch, wenn sie keine Emotionen zeigen würden. Dominka rät: im ersten Schritt freundlich, nett und aufgeschlossen sein, aber nicht zu privat werden.
- Emotionen gehören dazu, aber man muss gut einschätzen, welche man zeigt.
- Manche Ansprechpartner sind total kalt, „hallo und tschüss“; in langen Partnerschaften ändert sich das.
- Langjährige Partner erzählen gern aus ihrem Privatleben.
38:36Mythos 3: Lohnt sich das Gespräch nach „kein Interesse“ noch?
Ja. Der Mythos ist falsch, sagt Nina: „Nach diesem ‚kein Interesse‘ haben viele Kollegen sofort auch ein Meeting organisiert.“ Der Schlüssel ist herauszufinden, warum es gerade kein Interesse gibt, und den Ansprechpartner zu verstehen. Dabei kommt wieder die Geduld ins Spiel.
- Nach „kein Interesse“ haben viele OB2B-Kollegen direkt ein Meeting vereinbart.
- Die Frage nach dem Warum hilft, den Ansprechpartner zu verstehen.
- Auch hier entscheidet laut Nina die Geduld.
39:04Mythos 4: Ersetzt ein gutes Bauchgefühl das CRM?
Nein, „ein CRM kann nichts ersetzen“, sagt Nina: alle Daten, alle Informationen, alle Gespräche. Bauchgefühl hilft vielleicht beim Abschluss, gehört aber ins CRM: Nina notiert, wie sie sich im Gespräch gefühlt hat und wie die Person war. Für Dominka ist das beschriebene Bauchgefühl einer der wichtigsten Bestandteile eines CRM-Eintrags; sie schreibt zum Beispiel „die waren voll sympathisch“ oder „der hat mir nicht so gefallen“. Am Anfang hatte sie manchmal Angst reinzuschreiben, dass sie ein Gespräch gut fand, heute selten.
- Bei der Übergabe eines Meetings schreibt die BDR dem Partner, wie die Person am Telefon war.
- Das Bauchgefühl zu dokumentieren, vergessen laut Nina viele.
- Dominka war früher skeptischer, ein gutes Gefühl aufzuschreiben.
40:42Mythen 5 und 6: Verkaufen Einfühlsame besser? Sind Männer direkter?
Beides stimmt so nicht. Einfühlsame Menschen verkaufen nicht automatisch besser, sagt Nina: „Muss nicht sein.“ Einfühlsamkeit kann nur helfen, aber es braucht auch Kompetenz, Soft Skills und das Verständnis für die Bedürfnisse des Ansprechpartners. Dominka sieht Empathie trotzdem „schon ganz oben auf der Liste“. Dass Männer direkter sind, hält Nina für falsch: Frauen sind direkter und sagen ihre Meinung, es klingt nur empathischer. Dominka ist direkt, weil sie es nicht fair fände, jemanden anzulügen oder hinters Licht zu führen. Nina empfiehlt die Sandwichmethode: Positives, Negatives, dann nochmals Positives.
- Empathie hilft, aber Kompetenz und Soft Skills gehören dazu.
- Männer tun sich laut Nina schwerer, ihre Meinung und Gefühle zu zeigen.
- „Man verliert auch keine Zeit, wenn man direkt ist“, sagt Nina.
43:00Mythos 7: Kann man Abschlussstärke lernen?
Ja, der Mythos ist falsch, sagt Dominka: „Einen Abschluss durchzuführen, das kann man lernen, und das lernt man.“ Man lernt es immer wieder neu, ohne sich zu verstellen. Viele lernen es, indem sie „ein bisschen mogeln“; das findet Dominka nicht schön und letztlich verheerend, weil man eine Verbindung schaffen will und nach dem Deal merkt, dass man es so nicht wollte. Ehrlichkeit ist für sie die beste Basis für eine Geschäftsbeziehung. „Ich glaube, fast alles kann man lernen.“
- Abschlussstärke entwickelt sich mit der Zeit und verändert sich.
- Mogeln führt laut Dominka zu Deals, die man eigentlich nicht wollte.
- Man muss immer ehrlich sein, sagt Dominka.
44:32Fazit: Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich
Einfühlsamkeit ist eine der wichtigsten Kompetenzen, die eine Frau mitbringt, fasst Dominka zusammen. Bei OB2B lebt man in einer kleinen Bubble, weil es meistens Frauen sind, und trotzdem funktioniert man mit Ansprechpartnern, männlich oder weiblich, „ganz gut auf Augenhöhe“. Ihr Schluss: „Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich.“ Nina hofft auf viele Kommentare und Meinungen zum Thema.
- Nina Debeljak und Dominka Babić sind beide auf LinkedIn zu finden.
- Das war laut Dominka schon die 18. Folge von Dialing Out.
- Für Fragen zum Vertrieb oder zum Sales-Outsourcing sieht Dominka OB2B als kompetenten Partner.
Wichtigste Erkenntnisse
- Frauen im B2B-Vertrieb sprechen laut Nina Debeljak noch zu rund 90 Prozent mit Männern, vor allem in IT-, Logistik- und herstellenden Unternehmen.
- Beim Kunden gibt es fast immer eine Frau im Team, die weiterhilft und den Weg zum richtigen Ansprechpartner öffnet.
- Ob eine Frau oder ein Mann den Cold Call macht, ist laut Nina kein großer Unterschied; Frauen hören oft besser zu.
- Hat jemand keinen Bedarf, lassen Frauen einen Kontakt eher einige Wochen oder Monate ruhen, statt aufzugeben.
- Empathie braucht klare Grenzen und ein klares Ziel, sonst droht People Pleasing.
- Vertrieb passt zu Müttern, wenn man fast alles online und aus dem Homeoffice machen kann.
- Provision fördert laut Dominka Konkurrenzkampf statt nachhaltigem Wachstum mit Partnern; OB2B arbeitet ohne.
- Nach „kein Interesse“ haben viele OB2B-Kollegen sofort ein Meeting vereinbart, weil sie herausfinden wollten, warum.
- Ins CRM gehört auch das Bauchgefühl: wie das Gespräch war und wie die Person wirkte.
- Abschlussstärke kann man lernen, ehrlich und ohne zu mogeln.
Pull Quotes
„Ich hab wirklich bei 90 Prozent immer mit den Männern gesprochen.“
„Man verliert auch keine Zeit, wenn man direkt ist. Man sagt, wie es ist, und weitermachen.“
„Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich.“
Gast
Nina Debeljak — BDS, OB2B
Dominka Babić — COO, OB2B (Host)
FAQ
Sind Entscheider im B2B-Vertrieb meistens Männer?
In den meisten Branchen ja. Nina Debeljak von OB2B spricht in ihren Projekten zu rund 90 Prozent mit Männern, vor allem in IT-, Logistik- und herstellenden Unternehmen. In Marketing und Personalabteilung sind öfter Frauen die Entscheiderinnen.
Haben Frauen es in der Kaltakquise leichter?
Nein. Laut Nina hängt der Erfolg von der Person ab, nicht vom Geschlecht. Die weibliche Stimme kann am Telefon manchmal helfen, und Frauen hören oft besser zu, aber im Meeting mit Partnern zählen Kompetenz und Ergebnisse.
Wie reagiert man, wenn ein Kunde privat schreibt?
Ignorieren oder mit Humor überspielen, sagen Nina und Dominka. Wichtig ist, sich abzugrenzen und einfach weiterzuarbeiten. Nina würde sich schlecht fühlen, weil dann nicht ihre Arbeit zählt, sondern dass sie eine Frau ist oder wie sie aussieht.
Passt ein Job im Vertrieb zu Kindern?
Bei OB2B ja. Die meisten Kolleginnen, die Mütter sind, arbeiten im Homeoffice, und fast alles lässt sich online machen. Laut Dominka sind Kolleginnen nach den Kindern halbtags oder ganztags zurückgekommen.
Braucht der Vertrieb Provision zur Motivation?
Dominka meint nein: Provision führt zu Konkurrenzkampf statt zu nachhaltigem Wachstum mit Partnern. Nina nennt Provision eine männliche Idee, die es Frauen mit Familie schwerer macht. Bei OB2B motiviert ein freundlicher Wettbewerb, etwa wer mehr Telefonate in einer Stunde macht.
Lohnt sich ein Cold Call nach „kein Interesse“ noch?
Ja. Laut Nina haben viele OB2B-Kollegen direkt nach „kein Interesse“ ein Meeting organisiert. Wichtig ist herauszufinden, warum es kein Interesse gibt, und den Ansprechpartner zu verstehen.
Sollte man im Vertrieb Emotionen zeigen?
Dosiert ja. Im ersten Schritt freundlich und aufgeschlossen sein, aber nicht zu privat werden. Ein ehrlicher Satz wie „ich hatte jetzt nicht die beste Woche“ ist laut Nina in Ordnung, und mit langjährigen Partnern werden Gespräche persönlicher.
Kann man Abschlussstärke lernen?
Ja, sagt Dominka: Einen Abschluss durchzuführen lernt man immer wieder neu. Sie warnt davor, es durch Mogeln zu lernen, weil das zu Deals führt, die man eigentlich nicht wollte. Ehrlichkeit ist die beste Basis für eine Geschäftsbeziehung.
Transkript6.085 Wörter · ca. 28 Min. LesezeitAnzeigenAusblenden
0:59Frauen im Sales: Warum ist OB2B eine Bubble?
0:59Dominka: Action, ja, super. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Dialing Out, the OB2B Podcast. Ich vergesse ab und zu mal, wie der Podcast heißt. Heute zu Gast: meine liebe Kollegin, die Nina. Kein anderer ist so gut geeignet für dieses Thema wie eine Frau, und Nina ist eine Frau, tatsächlich eine Frau, die heute mit mir das Thema Frauen im Sales noch mal durchgehen wird. Das ist ein Thema, das eigentlich schon aktuell ist und vielleicht auch genügend Raum bekommt, aber ich würde sagen, es gibt immer noch ein bisschen Platz, über dieses wichtige Thema zu sprechen: warum Frauen im Vertrieb vertreten sind, warum sie so gut darin sind, wie sich die Rolle der Frau mit der Zeit entwickelt hat und wie es bei uns im Unternehmen mit der Frauenquote ausschaut. Und zum Ende spielen wir auf jeden Fall noch ein Game, das die liebe Kim für uns vorbereitet hat.
2:11Dominka: Gerne würde ich auch noch mal ansprechen, wie das Feingefühl und das Einfühlungsvermögen der Frau wirklich eine sehr wichtige Rolle im Vertrieb spielen. Wie es eigentlich für eine Frau ist in einer männlichen Welt, was der Vertrieb immer noch irgendwie ist, wo die Entscheidungsträger immer noch dominant Männer sind, was die Herausforderungen sind, ob es überhaupt welche gibt und wie wir uns dabei fühlen. Nina, magst du dich noch mal ganz kurz für uns vorstellen?
2:39Nina: Ja, danke nochmals für die Einladung. Ich bin die Nina, eine von den Projektmanagerinnen hier bei uns bei OB2B und eine von den 19 oder 20 Frauen, die hier arbeiten. Also ja, der Vertrieb ist eine männliche Welt, aber bei OB2B ist es eigentlich ein bisschen anders mit den Zahlen und mit der Quote von den Frauen.
3:04Dominka: Wir können schon sagen, wir leben bei uns im Unternehmen von Anfang an in so einer kleinen Bubble. Es sind tatsächlich viel mehr Frauen bei uns vertrieblich unterwegs, und wir machen ja fast ausschließlich Vertrieb. Die Männerquote ist gering, daher passen wir auch ganz gut auf unsere Jungs auf.
3:26Sind Entscheider im B2B-Vertrieb meistens Männer?
3:26Dominka: Aber was vielleicht spannend ist: Wenn wir ein neues Projekt anbahnen und mit Neukunden sprechen, haben wir als Entscheidungsträger öfters Männer am Telefon oder im Meeting sitzen, richtig?
3:43Nina: Genau. Es hängt natürlich von der Branche ab, aber ich würde mal sagen, ja, es sind meistens Männer. Wenn wir zum Beispiel ein Projekt haben, wo wir meistens das Marketing oder die Personalabteilung anrufen, dann kommt es natürlich öfter mal vor, dass dort eine Frau die Entscheidungsträgerin ist. Aber ich denke, in den meisten Branchen sind es noch immer die Männer. Natürlich auch die Ansprechpartner bei unseren Projekten: Ich denke, das sind bei 90 Prozent immer die Männer.
4:14Dominka: Ja, weil wir ja auch meistens mit IT-, Logistik- und herstellenden Unternehmen unterwegs sind.
4:19Nina: Ja, aber da gibt es meistens immer eine Frau im Team, die etwas im Hintergrund macht. Aber die meisten Entscheidungsträger sind, würde ich mal sagen, noch immer die Männer.
4:32Dominka: Warum meinst du, dass HR und Marketing schon relativ gut von Frauen vertreten sind?
4:37Nina: Das ist eigentlich eine gute Frage, und sie hängt auch mit unserem heutigen Thema zusammen. Ich würde mal sagen, weil die Frauen einfach mehr Einfühlsamkeit und mehr Empathie haben, und das kann man auf diesen Positionen gut nutzen, beim Marketing und natürlich bei der Personalabteilung. Man braucht diese Eigenschaften.
4:59Dominka: Wenn wir vom Vertrieb oder auch Direktvertrieb sprechen, was wir ja eigentlich machen, also telefonisch an Entscheidungsträger zu kommen: Wie würdest du da die Präsenz der Frauen einschätzen?
5:12Nina: Ich habe natürlich auch als BDR gearbeitet und viele Anrufe gemacht. Ich würde mal sagen, ich hab wirklich bei 90 Prozent immer mit den Männern gesprochen. Da gibt's immer eine Kollegin, die weiterhelfen möchte, aber die meisten Entscheidungsträger waren immer die Männer. Aber da gab's immer eine Frau, im Vertrieb oder in der Abteilung, die wir gebraucht haben, die uns eigentlich weiterhelfen wollte, und mit der Hilfe von dieser Frau sind wir auch zum Richtigen gekommen.
5:49Warum laufen Projekte leichter, wenn beim Kunden eine Frau dabei ist?
5:49Dominka: Ich kann auch aus Erfahrung sagen, dass die meisten Projekte viel einfacher einzuführen sind, wenn man während der Projektvorbereitung wirklich eine Frau mit dabei hat. Das heißt nicht immer, dass sie das Ganze auflockern. Ich würde sogar sagen, sie sind nicht immer ganz locker in dieser Geschichte. Aber irgendwie, nach einer Zeit, wenn man schon ein bisschen zusammenarbeitet, versteht man sich auf einer anderen Basis als mit den Männern, die vielleicht sehr oft einfach nur nach Zahlen schauen.
6:26Nina: Genau. Ich würde mal sagen, in der Vorbereitungsphase sind natürlich immer viele Details zu erledigen. Und die Damen sind eigentlich diejenigen, die immer auf diese Details aufpassen, sodass wir alles pünktlich vorbereiten können. Aber ich würde auch sagen, die Frauen sind am Anfang manchmal ein bisschen vorsichtiger in der Kommunikation. Gleichzeitig sind sie öfters direkter in der Kommunikation, sie können vielleicht leichter ihre Gefühle oder ihre Bedenken ausdrücken als die Männer. Und ich denke, man braucht nur ein bisschen Zeit, sich kennenzulernen, und dann wird's natürlich auch ein bisschen leichter in der Kommunikation.
7:16Sind Frauen in der Kaltakquise zu sanft?
7:16Dominka: Wenn wir jetzt über die Projektvorbereitung hinausgehen und uns wirklich ausschließlich auf den Vertrieb an sich fokussieren, zum Beispiel Kaltakquise oder Meetings zu führen: Wie siehst du da die Rolle der Frau? Ist sie der Rolle des Mannes ein bisschen überlegen, sind sie gleichgestellt, oder meinst du, dass die Frauen da vielleicht ein bisschen zu sanft sind, jetzt konkret gesprochen?
7:50Nina: Ich würde mal sagen, dass es eigentlich keinen großen Unterschied gibt. Die Leute denken immer, dass es einen großen Unterschied macht, ob eine Frau oder ein Mann den Cold Call tätigt, aber ich denke das wirklich nicht. Es gibt so viele Faktoren, die hier eigentlich wichtig sind. Was vielleicht der Vorteil der Frauen ist: dass man den Ansprechpartner ein bisschen leichter oder schneller versteht, ich würde mal sagen leichter als vielleicht der Mann, der einen Cold Call tätigt. Vielleicht kann eine Frau ein bisschen besser das Gefühl bekommen, was die andere Person eigentlich braucht, oder man versteht sie besser. Und ich denke, das liegt daran, dass die Frau eigentlich ein besserer Zuhörer ist.
8:42Geben Frauen in der Kaltakquise schneller auf?
8:42Dominka: Meinst du, dass es eher bei den Frauen so ist, dass sie schneller aufgeben als die Männer, oder gibt's da einen Unterschied?
8:49Nina: Kann sein, aber ich würde mal sagen, dass sie mehr Geduld haben. Aus meiner Perspektive sehe ich das so: Vielleicht sind wir nicht so aufdringlich. Wir geben vielleicht ein bisschen mehr Zeit. Wenn uns jemand sagt, dass er jetzt wirklich keinen Bedarf hat, dann lassen wir es so für einige Wochen oder Monate. Es hängt natürlich von der Situation ab, aber ich denke, wir haben da auch mehr Geduld. Und dann kommt eigentlich auch das Resultat.
9:17Dominka: Meinst du, das ist vielleicht so ein bisschen Mutterinstinkt bei uns?
Nina: Das kann sein.
Dominka: Ja, ich lass den jetzt noch …
9:21Nina: Er lernt noch.
Dominka: Ja, er muss noch lernen. Ganz genau.
9:26Dominka: Ich hab auch das Gefühl, dass wir da ein bisschen mehr Chancen geben und die Männer sich leichter einen Hitzkopf über ein schlechtes Gespräch machen und das dann vielleicht auch liegen lassen. Wobei es vielleicht ab und zu auch der Fall ist, dass man, nachdem man so richtig wütend geworden ist, weil es jetzt nicht hinhaut, den auch wegschmeißt. Bei mir war es zum Beispiel auch oft so: Ich hab jetzt irgendwie das Gefühl, ich muss das noch anders machen, ich muss das irgendwie besser machen, und nach einer Zeit versuche ich's dann eventuell noch mal. Ich glaube, die Männer sind da vielleicht sogar noch schneller: Wenn sie es einmal versucht haben, es hat nicht hingehauen, und beim zweiten Mal geht's auch nicht, dann bin ich mir nicht sicher, ob sie ein drittes Mal anrufen würden.
10:20Nina: Würde ich auch nicht sagen. Aber ich denke, die Frauen geben hier einfach ein bisschen mehr Zeit, um nochmals eine Antwort zu suchen oder eine Antwort zu bekommen.
10:35Werden Frauen im B2B-Vertrieb herablassend behandelt?
10:35Dominka: Und der Unterschied zwischen der Kommunikation im Direktvertrieb, in der Kaltakquise, und dann später mit einem Partner: Siehst du da einen Unterschied? Hast du irgendwann mal das Gefühl bekommen, dass du in der einen oder anderen Situation von Leuten nicht so schön behandelt wurdest, schlecht behandelt wäre jetzt vielleicht zu stark, oder irgendwie patronisierend behandelt, weil du eine Frau bist?
11:02Nina: Ich würde wirklich sagen: Nein, ich hatte keine schlechte Erfahrung. Manche sagen ja immer, dass der Vertrieb eigentlich eine männliche Welt ist. Aber ich denke, es liegt auch daran: Wenn ich als Projektmanagerin ein Projekt übernehme, haben eigentlich meine Kollegen und Kolleginnen die Vorarbeit geleistet, um das Projekt zu bekommen. So haben wir schon eine gute Beziehung zu den Partnern aufgebaut, und meine Kolleginnen haben schon gezeigt, was wir eigentlich können und machen. Deswegen ist es immer leichter, im nächsten Schritt das Projekt zu übernehmen. In der Kaltakquise hatte ich auch keine schlechte Erfahrung. Ich denke, die weibliche Stimme kann manchmal hilfreich sein, natürlich auch am Telefon. Aber ich hatte keine wirklich unangenehme Situation, oder dass mich jemand schlecht behandelt hat, weil ich eine Frau bin und zum Beispiel den Logistikleiter angerufen habe. Wirklich keine Probleme. Und das freut mich eigentlich auch, weil es wirklich ein bisschen demütigend wäre, wenn es anders wäre.
12:21Dominka: Vor allem in so einer Branche. IT ist ja auch eine männliche Branche, aber da hat man irgendwie schon das Gefühl, das sind nicht so Macho-Männer, wenn ich das so sagen darf.
12:32Nina: Gerade bei der IT-Abteilung muss man viel Geduld haben, um mit ihnen sprechen zu können.
12:37Dominka: Ja, aber ich hab das Gefühl, die sind jetzt nicht so machomäßig aufgestellt. Bei herstellenden Unternehmen ein bisschen mehr. Aber bei Logistik und so stellt man sich schon ab und zu mal vor, da kommt jetzt vielleicht jemand an, der ein Riesenexperte bei Logistikthemen ist, und denkt sich bei der, die den ersten Call macht: „Was weißt du denn von Logistik?“ Aber das war tatsächlich nie deine Erfahrung, dass du dich anders behandelt gefühlt hast, weil du eine Frau bist?
Nina: Nee, wirklich nicht.
13:09Nina: Natürlich hat man ab und zu ein schlechtes Gespräch, aber das hängt jetzt nicht von der Person ab, beziehungsweise das kann auch mit einer Frau sein. Es kann natürlich an verschiedenen Faktoren liegen, aber manchmal ist es nur die schlechte Laune beim Ansprechpartner. Aber es hat nicht mit dem Geschlecht zu tun.
Dominka: Sondern eher mit der Kompetenz an sich, egal ob Mann oder Frau.
13:34Hilft weiblicher Charme am Telefon?
13:34Dominka: Jetzt eine Frage, ganz ehrlich. Wenn du die beantworten kannst, würde mich das voll freuen. Und da interessiert mich jetzt der Vergleich zwischen mir und dir. Ist es dir mal vorgekommen, oder hast du ab und zu mal in einem Telefonat oder in einem Meeting gemerkt, dass du schon ein bisschen mit deinem weiblichen Charme, ich will jetzt nicht sagen flirtest, aber schon gemerkt hast: Ich hab den jetzt eingewickelt, weil ich eine Frau bin?
14:08Nina: Vielleicht.
Dominka: Das ist ein eindeutiges Ja.
14:12Nina: Ich denke, bei den Telefonaten war es ein bisschen einfacher, weil du deinen Ansprechpartner nicht sehen kannst. Und ich denke, wenn man so ein Meeting organisiert, ich weiß, das passiert auch bei anderen Kolleginnen, dann denken die Ansprechpartner oft, dass wir auch am Meeting teilnehmen. Aber in der direkten Kommunikation mit unseren Partnern, so face to face, ist für sie eigentlich unsere Kompetenz wichtiger, was wir da erzielen und wie die Kommunikation zwischen uns aussieht. Da ist ja auch immer der BDR dabei, und das ist bei uns meistens natürlich eine Frau. Und ich denke, diese Sachen sind für den Partner dann natürlich immer wichtiger. Aber bei den Telefonaten habe ich das Gefühl, das hat mehrmals eigentlich geholfen.
15:05Dominka: Okay, gut. Das ist eine ehrliche Antwort. Ich finde, das ist doch eigentlich das, was wir machen sollten: mit den Leuten eine Beziehung aufbauen, die sympathisch ist, wo sie auch ein Gefühl von Wärme haben und natürlich auch von Kompetenz. Das ist eine gute Kombination.
15:27Was tun, wenn ein Kunde privat schreibt?
15:27Dominka: Wo wir gerade bei dem Thema sind: Es ist leider ab und zu auch der Fall, dass es durchaus passieren kann, dass man von einem Kunden angeschrieben wird, auch privat. Ist jetzt vielleicht nicht vorgekommen, aber das passiert, glaube ich, eher Frauen als Männern. Irgendein Kunde findet dich gut und schreibt dich an, keine Ahnung, per Handy oder was auch immer, oder findet dich bei Instagram und so weiter. Wie würdest du da reagieren?
16:04Nina: Ignorieren. Ich würde mich schlecht fühlen, weil ich denken würde: Okay, hier ist es nicht wichtig, was ich mache, meine Arbeit, meine Kompetenz, meine Leistung, sondern es ist wichtig, dass ich eine Frau bin oder wie ich aussehe oder nicht aussehe. Und am Ende finde ich das nicht ganz sympathisch. Aber ich muss auch sagen: Unsere Kollegen nutzen hier auch ihren Charme bei den Damen an der Zentrale. Also es hängt jetzt natürlich auch nicht wieder vom Geschlecht ab.
16:37Dominka: Das ist dann auch die Kompetenz, den Charme ausnutzen zu können. Und ich finde auch, es ist, glaube ich, die einzige Option, das zu ignorieren oder irgendwie mit Humor zu überspielen. Weil das ist, glaube ich, eine Sache, wo man sich auch abgrenzen muss. Ich glaube leider, wo ich das gerade anspreche, dass es Frauen wahrscheinlich viel häufiger passiert und dass so etwas dann ab und zu auch ins negative Licht gerät. Aber auf jeden Fall ist es etwas, was passiert und was man, glaube ich, am besten einfach …
17:13Nina: … lassen soll.
17:16Dominka: Weitermachen. Arbeiten, weitermachen.
Nina: Das Beste geben und eigentlich zeigen, was wir …
Dominka: Ganz genau so.
17:23Empathie oder Ziel: Wie bleibt man empathisch, ohne zu sanft zu sein?
17:23Dominka: Warte mal, ich schau jetzt noch mal in mein Skript rein. Ich hab hier noch ein paar Sachen für dich. Das haben wir schon langsam angesprochen, und zwar die Eigenschaften der Frauen, wie sie sich im Vertrieb verhalten, also die weiblichen Eigenschaften. Aber eine ganz, ganz wichtige Sache, die wir noch nicht angesprochen haben, ist die Balance zwischen Empathie und dem Ziel. Wenn du jetzt als Ziel hast, wirklich etwas durchzusetzen, und ständig irgendwie zu sanft bleibst, kann das zum Verhängnis werden?
18:06Nina: Das kann natürlich wie im privaten Leben so auch im professionellen Leben ein Problem sein. Für mich ist es hier wichtig, immer eine Grenze zu haben, für mich selbst, und einfach ein klares Ziel zu setzen. Ich denke, hier hilft auch die direkte Kommunikation. Man kann natürlich sehr empathisch sein, aber man kann auch direkt in der Kommunikation sein und klar ausdrücken, was hier eigentlich unser Ziel ist, was wir wollen, was wir geplant haben. Natürlich besteht da die Gefahr von diesem People Pleasing, mit dem heute auch viele ein Problem haben: nie Nein sagen zu können und immer Ja zu sagen, immer das zu machen, was man selbst vielleicht auch nicht machen würde. Und ich denke, in einer Beziehung zu einem Partner ist es sehr wichtig, klare Grenzen zu setzen und natürlich auch klar zu zeigen, was wir eigentlich am besten machen können.
19:13Was tun, wenn man den Kunden nicht umstimmen kann?
19:13Dominka: Nina, es ist ja nicht jeder Partner irgendwie ein super Partner, den man sich wünscht. Die meisten sind natürlich toll, und man arbeitet gerne mit ihnen, aber ab und zu hat man auch Meinungsverschiedenheiten. Jetzt kann ich dich ja einfach fragen, wie du als Person, oder als Frau, wobei es fast wurscht ist, ob du Mann oder Frau bist, aber wir reden ja heute über Frauen und sind zwei Frauen: Trifft es dich ab und zu mal persönlich, wenn du es nicht schaffst, deinen Ansprechpartner, den Partner, den Kunden umzustimmen, du dir aber völlig sicher bist, dass das der bessere Weg ist?
19:59Nina: Natürlich, ja. Es ist natürlich manchmal so, dass man sich persönlich betroffen fühlt. Und ich denke, wie ich vorher gesagt habe, es ist einfach wichtig, das Ganze abzugrenzen. Das Wichtige ist: Ich weiß, ich hab mein Bestes gegeben. Ich hab hier eine klare Meinung. Wenn ich mir in einer Situation allein nicht ganz sicher bin, was ich machen soll, kann ich das ganze Thema immer auch mit meinen Kollegen besprechen und mir vielleicht einen Ratschlag holen. Aber was ich eigentlich möchte, ist, immer zu wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe, dass ich alles versucht habe, aber auch ein bisschen den Partner zu verstehen, warum er eigentlich eine andere Meinung hat. Und das ist eigentlich etwas, was die Frauen gut machen, denke ich. Wir haben immer Verständnis für alle und versuchen immer, etwas Positives in jeder Situation zu suchen.
20:55Dominka: Und da sprichst du gerade was an, was wir heute eigentlich gar nicht direkt als Thema hatten: gerade das Verlassen auf seine Kollegen. Ich glaube, da sind wir wirklich besser. Wir verlassen uns viel eher auf einen Kollegen oder eine Kollegin, als dass sich Männer auf einen Kollegen oder eine Kollegin verlassen. Das Gefühl hab ich auf jeden Fall bekommen. Vielleicht liege ich da falsch. Bist du da der gleichen Meinung?
21:21Nina: Der gleichen Meinung, ja. Unsere Kolleginnen sprechen einfach vielleicht ein bisschen offener über die Probleme und über den Alltag und suchen eher nach einem Ratschlag als die Männer. Aber ich denke, das ist immer so, weil die Männer denken, sie müssen alles allein … Das müssen sie eigentlich nicht.
21:42Dominka: Ja, das merkt man vor allem jetzt beim Job als Projektleiter, bei uns, ganz offen. Wir haben ja einen Kollegen, und ich hab das Gefühl, der will wirklich sehr viel allein machen, solange er es irgendwie kann, obwohl es die Möglichkeit gibt, dass er es mit uns teilt oder an jemanden weitergibt. Und das passiert, glaube ich, viel, viel häufiger mit uns Frauen, dass wir unter uns etwas teilen, wenn uns etwas bedrückt oder etwas irgendwie nicht mit rechten Dingen zugeht.
22:12Nina: Kann sein, kann sein. Ist vielleicht auch dieser Mutterinstinkt.
22:16Passt Vertrieb zu Müttern?
22:16Dominka: Das kann tatsächlich sein. Wo du das noch mal ansprichst, Mutterinstinkt: Das ist ja vielleicht auch so eine Sache. Wir beide sind ja keine Mütter, wobei man nicht weiß, was die Zukunft bringt. Aber das ist auch eine Sache, wo ich sagen würde: Mutter sein im Vertrieb ist nicht so schlecht.
22:36Nina: Bei uns zumindest, ja.
22:39Dominka: Wenn wir's hinbekommen, sollten's auch die anderen hinbekommen, würde ich mal sagen. Es ist halt so ein Job, so ein Soft-Skill-Job. Man muss jetzt nicht ackern gehen oder um 4 Uhr morgens aufstehen. Man kann das Leben zu Hause gut mit dem Alltag im Job kombinieren. Daher ist der Vertrieb vielleicht auch so ein bisschen die Zukunft für die Frau, dass viel mehr Frauen in den Vertrieb reingehen, ja?
23:19Nina: Es ist natürlich anpassbar. Die Frauen können, wie du gesagt hast, öfters mal im Homeoffice bleiben. Das ist bei unseren Kolleginnen so: Von denen, die Mütter sind, arbeiten die meisten oder fast alle im Homeoffice. Was natürlich ein großes Plus für sie ist, um alles zu organisieren. Und ich hab auch bemerkt, bei den Telefonaten und bei den Meetings mit unseren Partnern sind die auch meistens im Homeoffice, weil sie natürlich ihr persönliches Leben und Kinder haben und es einfacher ist. Es ist einfach besser für sie, als vielleicht in so einem Lager herumzulaufen.
24:01Dominka: Es gibt halt sehr oft so Diskussionen im Internet, bei LinkedIn und so weiter, ob man sich jetzt wagen sollte, ein Kind zu bekommen.
Nina: Ich hab deine Kommentare gesehen.
24:17Dominka: Ja. Ich finde es halt schade, wenn jemand einen Kinderwunsch hat und im Vertrieb ist oder eher so einen Online-Job hat, Marketing, so etwas mit Soft Skills, wo man wirklich nicht jeden Tag beim Kunden unterwegs sein muss. Bei uns zum Beispiel kann man fast alles online machen, bis auf ab und zu mal. Dann ist das, glaube ich, nicht das wahre Hindernis. Und wir sehen es ja auch live an Beispielen von Frauen, die Kinder bekommen haben, zurückgekommen sind und halbtags arbeiten, oder nach einer Zeit dann auch wieder ganztags.
24:52Nina: Ich denke, dieser Job ist eigentlich für viele von unseren Kolleginnen der beste Job. Viele haben vor diesem Job etwas anderes gemacht, in einer ganz anderen Branche gearbeitet, eigentlich einen ganz anderen Beruf gehabt. Und jetzt sind sie gerade bei uns und in diesem Job, weil es für sie so leichter ist, sich im Alltag zu organisieren, mit den Kindern, mit den ganzen Aufgaben, mit den Meetings. Und ich sehe da wirklich auch eine Zukunft für die Frauen.
25:24Dominka: Dann würde ich mal so eine Aussage hier reinbrüllen und sagen: Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich.
Nina: Genau.
Dominka: Auch wenn es in der Gegenwart vielleicht momentan anders ausschaut: Die Zukunft ist blendend für die Frauen im Vertrieb, würde ich mal sagen.
25:44Was ist der Erfolgsfaktor für Frauen im Vertrieb?
25:44Dominka: Gut. Der Erfolgsfaktor für eine Frau im Vertrieb?
25:49Nina: Direkt zu sein, empathisch zu sein, gut zuzuhören. Ich denke, das ist sehr, sehr wichtig, und das vergessen viele Leute, im Alltag und auch im professionellen Leben: gut zuzuhören und dann auch auf das zu reagieren, was unser Ansprechpartner gesagt hat. Ich denke, das ist immer wichtig.
26:09Dominka: Was auch wirklich sehr guttut, würde ich sagen, und daran fehlt's bei uns in unserer Branche auch gar nicht, ist, ab und zu mal Lob von außen zu bekommen. Und ich muss schon sagen, das kommt bei uns, weil die Entscheidungsträger meistens männlich sind, gerade auch von der männlichen Seite. Natürlich auch von Frauen. Aber das ist schon schön, wenn man vor allem in so einer Branche, die für Männer etabliert ist, zum Beispiel Logistik, das Gefühl bekommt: Die sind echt froh, dass ich das mache und nicht jemand anders. Und ich glaube, die sind auch so ein bisschen froh, weil sie vielleicht nicht direkt erwartet haben, dass eine Frau auch in diesem Feld so kompetent sein kann.
26:51Nina: Finde ich auch. Ich denke, am Anfang sind viele ein bisschen vorsichtiger, aber wir überzeugen sie sehr schnell. Und ja, du hast recht: Sie loben uns sehr gern für unsere Arbeit und für das, was wir hier eigentlich gemacht haben. Manchmal denken die Männer, dass wir uns in einer Branche nicht sehr gut oder nicht so schnell zurechtfinden, und dann überzeugen wir sie, dass wir das eigentlich ganz gut kennen.
27:18Dominka: Ja, ich glaube, wir überzeugen sie eigentlich sehr oft vom Gegenteil. Das ist auch so eine Sache, wo man sich denkt: „Hey, was habt ihr denn gedacht?“ Für uns ist es fast selbstverständlich, würde ich sagen. Aber es ist auch okay, dass sie andere Vorurteile haben.
27:35Nina: Jeder Mensch hat Vorurteile.
27:37Dominka: Das ist, glaube ich, auch okay. Und wenn wir die dann aus der Welt schaffen können, ist das sowieso eine Win-win-Situation.
Nina: Finde ich auch.
27:46Charme oder Kompetenz: Was überzeugt Partner?
27:46Dominka: Ich erinnere mich noch: Vor ein paar Jahren hatten zwei Kollegen, zwei männliche Kollegen von uns, einen Termin mit einem Partner gemacht, der Partner werden sollte und später auch Partner geworden ist. Und was ich total interessant fand: Die beiden Jungs haben mir damals gesagt, das war ein bisschen zäh, die sind schon so ein bisschen altbacken, ich hab das Gefühl, da wird nix draus und so weiter. Und dann gab's noch ein weiterführendes Meeting, wo ich mitgemacht habe, ich und ein anderer Kollege. Und ich glaube, die weibliche Kompetenz und Präsenz hat sie absolut umgestimmt oder ihnen irgendwie noch mal versichert: Okay, die werden das schon sehr gut machen. Und ich hab schon im Meeting gespürt: Okay, die finden uns gut. Die finden vielleicht auch mich gut, auch in der Kombination mit dem Kollegen. Und ich glaube, die fanden auch gerade gut, dass ich sehr lässig reingekommen bin, mit der Haltung: „Hey, lass uns das halt machen. Wenn's nicht funktioniert, dann sind wir halt beide selber schuld. Aber wir können's ausprobieren.“ Und ich glaube, das war dann eben doch nicht nur die Kompetenz, sondern schon ein bisschen der weibliche Charme. Ist halt so.
29:14Dominka: Was mir aber auch ab und zu vorgekommen ist, und da möchte ich jetzt auch ein bisschen zugunsten der Männer sprechen: Ich habe mal selbst ein Projekt geleitet, wo ich eine E-Mail zur Aussprache und zum Duktus des Kollegen bekommen habe, der das Projekt als BDR machen sollte und es später auch gemacht hat. Das Ganze wurde ein bisschen negativ bewertet. Und damals war das tatsächlich auch die einzige Person, die das machen konnte. Aber ich stand voll dahinter. Und dann habe ich geschrieben: „Hey, es ist vielleicht nicht die Person, die am Telefon super frohlockend klingt und so weiter, aber ich kann euch garantieren, da werden sehr kompetente Meetings reinkommen.“ Dann war der Partner still, und später war das auch so. Und das heißt dann auch: Okay, es liegt nicht immer an der Stimmlage. Es liegt nicht immer an der Einfühlsamkeit, die bei dieser Person tatsächlich nicht dabei war. Die Person hat eigentlich sehr grob und sehr, sehr langsam oder auch ein bisschen faul gesprochen, aber die Kompetenz, ja? Da ist es fast egal, was du bist.
30:36Nina: Die Person hat ihre Soft Skills eigentlich in den Telefonaten genutzt. Vielleicht nicht in der direkten Kommunikation mit dem Partner, oder sie konnte es nicht zeigen oder wusste nicht, wie. Aber am Telefon hat die Person es gut gemacht.
30:52Dominka: Und ich glaube, es ist bei uns auch wichtig, einfach aneinander zu glauben. Also du an mich, ich an dich, du an den Kollegen, der Kollege an dich. Dann kann man wirklich auch Sachen überstehen, die vielleicht ein bisschen unangenehm sind. Ich glaube, da halten wir schon gut zusammen. Also wir würden uns schon freuen, wenn wir noch ein bisschen mehr Kollegen hätten.
31:12Nina: Unsere Kollegen würden sich auch freuen, denke ich.
31:15Dominka: Ja, die Kollegen würden sich auch freuen. Vielleicht werden wir ein bisschen daran arbeiten. Aber momentan ist es halt so, dass die Frauenquote viel höher ist als die Männerquote, was auch super ist. Wir dürfen uns also auch nicht beschweren. In dieser Bubble bin ich eigentlich auch gerne.
31:30Nina: Ich finde es immer gut, wenn wir auch Kolleginnen kriegen. Ist auch immer nett. Aber ja, unsere Kollegen würden sich immer ein bisschen mehr freuen, wenn sie nicht die ganzen Tage über Frauenthemen hören müssten.
31:42Braucht der Vertrieb Konkurrenz und Provision?
31:42Dominka: Aber weißt du, was ich in der Arbeitswelt auch noch ganz wichtig finde? Dass der Wettbewerb zwischen Frauen, zumindest bei uns, hab ich das Gefühl, nicht da ist, oder in unserer Branche auch nicht so groß ist. Und der ist eigentlich fast schlimmer als der Wettbewerb gegen Männer. Irgendwie haben wir auch gar keine Lust, uns zu beweisen.
32:05Nina: Bei uns gibt's eigentlich keinen Wettbewerb. Was vielleicht in anderen Branchen oder bei anderen Firmen nicht so ist, aber bei uns ist es ganz individuell. Jede Person hat ihr eigenes Projekt, arbeitet an diesem Projekt und gibt ihr Bestes. Es ist einfach so.
32:27Dominka: Aber das ist auch immer noch Teil der Einstellung, weil man sich das auch ganz anders ausmalen könnte. Ich hab irgendwie das Gefühl, wenn du klar im Kopf bist, dann ist der Wettbewerb eigentlich nur etwas, womit ein ganzes Team nach vorne geht, und nicht etwas, wo man sich im Team untereinander messen sollte.
32:51Nina: Wir haben eigentlich auch ein Beispiel. Die einzige Situation, würde ich mal sagen, wo unsere Kollegen kompetitiv sind: Zwei Kollegen von uns, eine Kollegin und ein Kollege, sitzen zusammen, und es gibt so einen Wettbewerb, wer mehr Telefonate in einer Stunde macht.
33:08Dominka: Das ist ein absolut wunderbarer Wettbewerb. Da kann man sich wirklich ab und zu die Motivation geben.
Nina: Finde ich auch, ja.
33:18Dominka: Das ist ein guter Wettbewerb, sehr positiv. Das ist vielleicht auch ein Beispiel dafür: Im Vertrieb sagt man ja immer, da muss Provision sein, man muss immer irgendeinen Ansporn haben, man muss das noch mal extra vergüten. Das finde ich zum Beispiel gar nicht, weil es dann gerade zu diesem Wettbewerb und Konkurrenzkampf kommt. Und dann ist es meiner Meinung nach gar nicht mehr das, was wir mit unseren Partnern eigentlich machen möchten, und zwar wachsen, nachhaltig wachsen, gute Leads vereinbaren und so weiter. Ob das jetzt eine männliche oder eine weibliche Idee ist?
33:53Nina: Ich würde mal sagen, eine männliche. Weil ich denke, für die Frauen, die wirklich eine Familie und Kinder haben, ist es mit dieser Provisionsgeschichte ein bisschen schwieriger, im Vertrieb zu arbeiten. Und vielleicht hat sich deswegen die Geschichte auch ein bisschen geändert, zumindest bei uns, weil wir so nicht arbeiten. Und deswegen haben unsere Kolleginnen größere Chancen und …
34:17Dominka: … und auch Lust, glaube ich, weiterhin in diesem Job zu bleiben, als wenn es jetzt irgendwie ein Konkurrenzkampf wäre. Ich glaube, das ist auch anders, bevor du Kinder hast und nachdem du Kinder hast. Wobei ich ja auch mit Marija gesprochen habe, und sie hat das Gefühl, dass sie eine bessere Vertrieblerin geworden ist, nachdem sie ihre Kinder hatte. Weil sie mit ihnen halt schon sehr viel Negotiation betrieben und es dadurch noch ein bisschen gelernt hat.
34:44Mythos 1: Haben Frauen es in der Kaltakquise leichter?
34:44Dominka: Okay, Nina, wir haben noch ein Spiel.
Nina: Ja, ich freu mich.
34:47Dominka: Zeitlich stehen wir gut, oder? Okay, wir haben noch ein Spiel, und das gehen wir jetzt durch. Da sind so ein paar Mythen: wahr oder falsch, Verkaufsmythos. Gut, Game Time. Ich lese jeweils eine Aussage vor, und die Projektmanagerin, das bist du in diesem Fall, muss sagen: wahr oder falsch beziehungsweise Verkaufsmythos, und kurz begründen, warum. Hast du's verstanden?
Nina: Ja, bin bereit.
35:18Dominka: Super. Ich hab sieben Mythen, und der erste lautet: Frauen haben es in der Kaltakquise leichter als … ja, haben wir schon besprochen, oder?
35:28Nina: Genau. Falsch natürlich. Keiner hat es leichter, oder?
Dominka: Keiner hat es leichter.
35:33Nina: Punkt. Ich denke, es hängt von der Person ab und wirklich nicht vom Geschlecht. Aber das haben wir, denke ich, auch schon beantwortet.
35:41Dominka: Ich glaube, Kaltakquise ist auch wirklich, vielleicht dürfte ich das nicht sagen, voll viel Glück. Ist so. Ich hatte heute einen Termin: Vor drei Tagen hat die Jenny da einen Termin vereinbart, und das war wirklich ein Glückstreffer, weil die gerade auf der Suche waren. Und dann komm ich natürlich noch in den Termin rein, und das war alles wirklich auch so ein bisschen Glückssache. Das ist ja fast gewonnen, muss nicht sein, aber das passiert halt nicht jeden Tag. Die meisten Anrufe sind halt schon so ein bisschen …
36:19Nina: … ist nicht da oder kein Interesse. Aber manchmal passiert das. Ich hatte eigentlich auch eine Situation, als ich noch als BDR gearbeitet habe: Ich habe bei einem Unternehmen angerufen, und der Ansprechpartner dort wollte sich eigentlich schon bei uns melden. Er hatte es eigentlich geplant, in der Woche zu machen, weil er eine Referenz von einem Bekannten oder so etwas gelesen hatte. Er wollte sich gerade melden, und ich hab gerade angerufen und ein Meeting organisiert. Totaler Jackpot. Passiert aber nicht jeden Tag.
36:54Mythos 2: Haben Emotionen im Vertrieb nichts verloren?
36:54Dominka: So, Nummer zwei: Emotionen haben im Vertrieb nichts verloren. Interessant.
37:01Nina: Ich denke, es ist eigentlich wichtig, wann, wie und zu wem man diese Emotionen zeigt und welche Emotionen es sind. Man wird jetzt nicht in einem Termin mit einem unserer Partner weinen oder über das private Leben erzählen. Aber man kann vielleicht so ehrlich sein und sagen: „Na ja, ich hatte jetzt nicht die beste Woche, aber freue mich jetzt auf das Meeting“, oder auf das Gespräch. Aber man muss eigentlich gut einschätzen, welche Emotionen man zeigen sollte.
37:39Dominka: Ja, man sollte schon dosieren.
Nina: Genau.
37:42Dominka: Wobei auch total kalt zu sein, einfach nur Arbeit und das war's, hallo und tschüss: Ist auch manchmal so.
37:54Nina: Bei einigen ist das so. Aber ich denke, wenn wir mit einem Partner eine längere Zeit arbeiten, erzählen sie dann auch sehr gern und sehr oft über das private Leben und zeigen auch sehr gerne Emotionen, weil wir mit diesen Leuten jede Woche sprechen, für zwei, drei Jahre. Also ich denke, es wäre auch ein bisschen komisch, wenn sie keine Emotionen zeigen würden.
38:18Dominka: Aber auf jeden Fall im ersten Step die Emotionen vielleicht ein bisschen zurückhalten. Freundlich, nett sein, aufgeschlossen, aber jetzt nicht direkt heulen, auf keinen Fall, oder zu sehr ins Private gehen.
Nina: Genau.
38:36Mythos 3: Lohnt sich das Gespräch nach „kein Interesse“ noch?
38:36Dominka: Gut. Wenn jemand gleich am Anfang „kein Interesse“ sagt, lohnt sich das Gespräch nicht mehr.
Nina: Falsch.
Dominka: Das ist falsch, okay.
38:45Nina: Nach diesem „kein Interesse“ haben viele Kollegen sofort auch ein Meeting organisiert. Weil es für uns natürlich auch wichtig ist herauszufinden, warum es jetzt kein Interesse gibt, und den Ansprechpartner zu verstehen. Und da kommt wieder die Geduld ins Spiel.
39:04Mythos 4: Ersetzt ein gutes Bauchgefühl das CRM?
39:04Dominka: Okay, weiter. Wenn jemand … nein, das ist wieder dasselbe. Ein gutes Bauchgefühl ersetzt jedes CRM. Nein, okay, das ist jetzt wirklich absurd.
39:19Nina: Ja, Bauchgefühl, okay, kann vielleicht bei einem Abschluss helfen, aber ein CRM kann nichts ersetzen. Also alle Daten, alle Informationen, alle Gespräche. Aber was ich eigentlich gut finde, ist, wenn man im CRM auch notiert, wie man sich in einem Gespräch mit einer Person gefühlt hat und wie die Person eigentlich in diesem Meeting oder in diesem Telefonat war. Und das machen wir eigentlich auch.
39:48Dominka: Ja, ich würde sagen, das Bauchgefühl zu beschreiben ist einer der wichtigsten Bestandteile des CRM-Eintrags zu einer Firma.
39:56Nina: Das vergessen viele.
39:57Dominka: Ja. Also ich schreib auch immer: „Hey, das Meeting, die waren voll sympathisch.“ Oder: „Oh, der hat mir nicht so gefallen.“
40:03Nina: Genau. Auch wenn man als BDR ein Meeting organisiert, finde ich es wichtig, wenn wir es an unseren Partner weitergeben, einfach mal zu schreiben, wie die Person am Telefon war.
40:13Dominka: Manchmal habe ich aber, obwohl ich ein gutes Bauchgefühl habe, Angst reinzuschreiben, dass ich's gut fand. Mittlerweile, glaube ich, selten, aber früher, am Anfang, war's halt ein bisschen so. Da war ich noch ein viel, viel größerer Skeptiker. Das ist vielleicht auch was Weibliches? Keine Ahnung. Auf jeden Fall etwas, was mir entspricht oder damals entsprochen hat.
40:42Mythen 5 und 6: Verkaufen Einfühlsame besser? Sind Männer direkter?
40:42Dominka: Ich hab noch was, und zwar: Einfühlsame Menschen verkaufen automatisch besser.
40:49Nina: Muss nicht sein. Das hängt von sehr, sehr vielen Faktoren ab. Natürlich kann es nur helfen, würde ich mal sagen. Aber wir haben ja auch gesagt: Hier ist auch die Kompetenz wichtig, verschiedene Soft Skills, das Verstehen der Bedürfnisse des Ansprechpartners, und nicht nur die Einfühlsamkeit. Sie kann natürlich helfen, aber ich würde nicht sagen, dass es jetzt die einzige Sache ist.
41:19Dominka: Aber schon ganz oben auf der Liste. Gut: Männer sind direkter, Frauen reden mehr drumherum.
41:27Nina: Falsch, würde ich sagen. Ich würde mal sagen, dass die Frauen direkter in der Kommunikation sind. Das finde ich einfach so, auch hier professionell, aber auch im privaten Leben. Die Frauen sind einfach direkter und sagen ihre Meinung. Vielleicht klingt es empathischer, weil die Frauen es vielleicht schaffen, es empathischer auszudrücken. Aber ich finde, die Männer finden es ein bisschen schwieriger, ihre Meinung und Gefühle …
41:54Dominka: Ich glaube, Direktheit hat wirklich auch etwas mit Emotionen zu tun. Ich bin zum Beispiel direkt, weil ich es irgendwie nicht fair fände, jemanden anzulügen. Anzulügen ist sowieso zu schroff, würde ich sagen, aber jemanden hinters Licht führen zu wollen: Das ist gemein.
42:27Nina: Ja, ich denke, direkt zu sein ist wirklich wichtig. Man kann immer diese Sandwichmethode nutzen: Positives, Negatives und dann nochmals Positives, sodass es am Ende auch motivierend ist.
42:39Dominka: Das ist immer schön, wenn man das hinbekommt, wenn's wirklich noch mal was Positives gibt. Aber wenn's negativ ist, lieber direkt. Vielleicht ist es ja nicht direkt das Ende.
42:53Nina: Man verliert auch keine Zeit, wenn man direkt ist. Man sagt, wie es ist, und weitermachen.
43:00Mythos 7: Kann man Abschlussstärke lernen?
43:00Dominka: Und dann hab ich noch einen letzten Mythos, und der besagt: Abschlussstärke kann man nicht lernen. Das hat man oder eben nicht.
43:15Nina: Das ist jetzt eine schwierige …
43:18Dominka: Das kann ich dir beantworten: Das ist falsch. Einen Abschluss durchzuführen, das kann man lernen, und das lernt man. Das lernt man immer wieder aufs Neue, und das ändert sich auch. Das ist sicher so. Es kann nicht sein, dass du mit der Zeit nicht lernst, wie du dich anders verhalten sollst, ohne dich zu verstellen oder dich nur minimal zu verstellen, um einen Abschluss hinzubekommen. Ich bin mir sicher, dass sehr viele das dadurch lernen, dass sie auch ein bisschen mogeln. Das finde ich nicht schön, und das ist letzten Endes auch verheerend, weil man eine Verbindung schaffen möchte, und dann kommt's zum Deal, und dann merkt man, dass man das eigentlich nicht ganz so wollte. Man muss immer ehrlich sein. Ich glaube, das ist wirklich die beste Basis für eine Geschäftsbeziehung, unter anderem auch für andere Beziehungen. Aber besser abzuschließen, das lernt man doch. Ich glaube, fast alles kann man lernen.
44:32Fazit: Die Zukunft des Vertriebs ist weiblich
44:32Dominka: Nina, danke, dass du dabei warst.
Nina: Danke, danke.
Dominka: Wir sind schon am Ende unserer Folge. Ich glaube, das war schon die 18.
Nina: Wow.
44:49Dominka: Was nehmen wir mit? Frauen sind im Vertrieb hochrangiert. Einfühlsamkeit ist eine der wichtigsten Kompetenzen, die eine Frau mit sich bringt. Wir fühlen uns bei OB2B in einer kleinen Bubble, weil es meistens Frauen sind, haben aber auch das Gefühl, dass wir in der Vertriebswelt mit Ansprechpartnern, seien sie männlich oder weiblich, ganz gut auf Augenhöhe funktionieren und reden können. Und die Zukunft des Vertriebs ist weiblich. Nina, vielen herzlichen Dank, dass du mit dabei warst.
45:31Dominka: Liebe Zuschauer und Zuhörer, wenn ihr euch noch nicht abonniert habt, abonniert unseren Channel. Folgt Nina bei LinkedIn, folgt gerne auch mir bei LinkedIn. Und wenn es vertriebliche Fragen gibt oder ihr gerne etwas im Bereich Sales outsourcen möchtet, dann sind wir, glaube ich, ziemlich kompetente Partner dafür. Nina, hast du noch was zum Abschluss zu sagen?
45:54Nina: Danke nochmals für die Einladung und für das Gespräch. Ich hoffe, es gibt jetzt viele Kommentare und Meinungen zu diesem Thema.
46:02Dominka: Ja, dann war's das.
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