Moms im Sales — Mütter im B2B-Vertrieb
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In dieser Folge
Folge 11 der Reihe Dialing Out. Dominka spricht mit Marija, seit 2016 bei OB2B — als BDR, Projektmanagerin und im Inside Sales — und inzwischen Mutter von drei Kindern. Marija steht kurz vor der Rückkehr aus der Elternzeit und berichtet über die echten Parallelen zwischen Mutterschaft und Vertrieb.
Es geht um Verhandlungsgeschick, das man bei Kleinkindern täglich übt, um die „Kurze-Hosen-Taktik" (mit Kunden wie mit Kindern), um die Balance zwischen Job und Familie und um die Frage, warum Mütter im Sales oft einfach besser sind. Plus Game Time: „Mein Ansprechpartner ist ein Kind".
Lesezeit: 7 Minuten
Wir besprechen
- Marijas Werdegang bei OB2B — von BDR über PM bis Inside Sales
- Rückkehr aus der Elternzeit — beim ersten, zweiten, dritten Mal
- Verhandlungsgeschick mit Kleinkindern = Verhandeln mit Kunden
- Die Kurze-Hosen-Taktik: aus Erfahrung lernen lassen
- Be bold — wacker sein, ohne den Respekt zu verlieren
- Wie Mutterschaft die eigene Sales-Person verändert
- Mittelchild-Kunden — wenn der eigene Wille blockiert
- Erstes vs. drittes Kind: Regelfolger und Selbstforscher
- Der „Wie wollen Sie das denn machen?"-Trick
- Manipulation mit Wahrheit: zwei Möglichkeiten, beide deine
- Balance zwischen Job und Familie: outsourcen, was geht
- Qualitative Zeit mit den Kindern — kein Handy am Sofa
- Flexibilität als Voraussetzung für Mütter im Vertrieb
- Game Time — Mein Ansprechpartner ist ein Kind
- Sind Mütter die besseren Vertriebler?
Show Notes
Marijas Werdegang bei OB2B
Seit 2016 dabei. BDR, Projektmanagerin, Inside Sales — und dazwischen drei Elternzeiten. Im 7-Jahres-Fenster drei Kinder und mehrere Comebacks. Genug Erfahrung, um über beide Welten zu sprechen.
- Eintritt 2016 als BDR — Wechsel in PM und Inside Sales über die Jahre.
- Drei Kinder in ungefähr 7 Jahren — jede Elternzeit mit Rückkehr.
- Flexibilität des Arbeitgebers als Voraussetzung — sonst geht das nicht.
Rückkehr aus der Elternzeit
Beim ersten Mal emotional schwer — das Kind loslassen. Beim zweiten Mal die Erkenntnis: „Ich will mit Erwachsenen reden, die nichts mit Kindern zu tun haben." Beim dritten Mal: kommt gerade.
- Erstes Mal: das Loslassen ist die Hürde — emotional, nicht organisatorisch.
- Zweites Mal: Sehnsucht nach Erwachsenen-Themen über Smalltalk hinaus.
- Drittes Mal: vor dem Sprung — Erfahrung erleichtert das Einsteigen.
Verhandlungsgeschick als Mutter-Skill
Mit Kleinkindern verhandelt man von früh morgens bis spät abends. Wer das überlebt, bringt automatisch Sales-DNA mit — die wichtigste Lektion: zuhören, was die andere Seite eigentlich braucht.
- Verhandeln passiert ununterbrochen — nicht nur am Abend, sondern jeden Augenblick.
- Schreien bringt weder beim Kind noch beim Kunden ein Ergebnis.
- Erst zuhören, dann Emotionen ansprechen — das funktioniert auf beiden Seiten.
Die Kurze-Hosen-Taktik
Wenn das Kind im Schnee mit kurzen Hosen rausgehen will: lass es. Es spürt die Kälte und lernt. Dieselbe Logik mit Kunden, die auf ihrem Skript bestehen — lass sie das versuchen, sie kommen meist von selbst.
- Schock-Erfahrung statt Belehrung — funktioniert bei Kindern und teilweise bei Kunden.
- Echtes Beispiel: Kunde bestand auf seinem Skript, nach 2–3 Monaten Erfolglosigkeit eigenes Skript getestet — es funktionierte.
- Wir sind die Profis — aber manche müssen erst selbst erleben, dass etwas anderes besser ist.
Be bold — wacker sein
Etwas frech, etwas wacker, aber respektvoll. Wer wie alle klingt, wird vergessen. Wer aus der Reihe tanzt, ohne den Faden zu verlieren, bleibt im Kopf.
- Wackerheit bringt Abstand zur Konkurrenz — keine Standard-Botschaft.
- Bold ≠ aufdringlich — die Empathie und das Zuhören müssen mitkommen.
- Mit der Erfahrung wird man mutiger — Marija heute ist mutiger als Marija vor sieben Jahren.
Wie Mutterschaft verändert
Geduld, Verhandlungsgeschick, besseres Zuhören — drei Eigenschaften, die das Elternsein schärft. Genau die drei, die im Sales den Unterschied machen.
- Geduld als trainierter Muskel — sie wächst, weil sie muss.
- Zuhören wird tiefer — Worte sind nicht die ganze Botschaft.
- Verhandeln wird strategisch — schreien hat nie funktioniert.
Mittelchild-Kunden
Manche Kunden lassen sich kreativ steuern, manche nicht. Die schwierigen sind die mit eigenem Willen, die jede Idee ablehnen — bis sie selbst merken, dass es nicht funktioniert.
- Mittelchild-Kunde = der mit eigenem Kopf, der jede Anregung blockiert.
- Geduld + kleine Schritte — Vorschlag, Pause, dann nochmal Vorschlag.
- Sein Ego nicht kränken — sondern langsam in die richtige Richtung lenken.
Erstes vs. drittes Kind
Das erste Kind folgt Regeln, weil man die Zeit für Regeln hat. Beim dritten Kind erforscht man selbst — Wal ist Fisch, bis es eines Tages selbst merkt. Dasselbe gilt für Kunden, die wir betreuen.
- Erstes Kind: Regelfolger, Mama hat Zeit zum Erklären jedes Details.
- Drittes Kind: lernt selbst, durch Erfahrung — und wird oft die stärkere Persönlichkeit.
- Sales-Analogie: manchmal lieber leiten und beobachten, als jeden Schritt zu erklären.
„Wie wollen Sie das denn machen?"
Marijas Lieblings-Antwort auf den Standard-Einwand „klingt gut, machen wir selbst". Die Frage zwingt den Kunden, sein eigenes Vorgehen offenzulegen — und meist erkennt er live, wie unterlegen es ist.
- Direkte Gegenfrage, die das eigene Vorgehen sichtbar macht.
- Funktioniert, weil man live demonstriert, was man für den Kunden tun würde.
- Wahrheit als Werkzeug — keine Manipulation, sondern ehrliche Konfrontation.
Manipulation mit Wahrheit
„Blau oder rot — Du hast zwei Möglichkeiten." Funktioniert beim Anziehen kleiner Kinder, funktioniert auch beim Buchen eines Meetings („Dienstag oder Donnerstag?"). Eingeschränkte Auswahl statt offener Frage.
- Zwei vordefinierte Optionen ersetzen das offene „Wollen Sie?"
- Funktioniert, weil Entscheidung leichter fällt als Initiative.
- Demokratie, aber gelenkt — beide Optionen sind okay für dich.
Balance Job ↔ Familie
Outsourcen, was geht. Spülmaschine, Saugroboter, einfache Küche — das gewonnene Zeitfenster geht in qualitative Zeit mit den Kindern. Perfektion ist der Feind der Balance.
- Maschinen einsetzen — Spülmaschine, Saugroboter, Bügel-Verzicht.
- Den Anspruch, alles wie früher zu machen, fallen lassen — es geht nicht.
- Kinder bekommen Mini-Aufgaben (Wäsche aus der Maschine holen) — sie helfen, du gewinnst Zeit.
Qualitative Zeit mit den Kindern
Wenn Marija nach Hause kommt, geht das Handy weg. Fernsehen läuft nur zur abgesprochenen Zeit. Zwei bis drei Stunden ungestört zusammen — der Schlüssel ist Präsenz, nicht Dauer.
- Handy weg, sobald die Tür zu ist — Präsenz statt Halb-Anwesenheit.
- Fernsehen mit klaren Zeitfenstern — kein Hintergrundrauschen.
- 2–3 Stunden konzentriert, gemeinsam — das reicht für eine stabile Beziehung.
Flexibilität als Voraussetzung
Ohne flexible Arbeitszeiten ist Mutterschaft + Vertrieb schwer. Kind krank? Heute zu Hause, morgen aufholen. OB2B-Kultur macht das möglich — nicht jeder Beruf kann das.
- Flexibilität trumpft fixe Arbeitszeiten — Krankheitstage müssen kompensierbar sein.
- Klare Erwartungen vom Arbeitgeber + Vertrauen — die Kombination macht es funktional.
- In strikten Berufen (z. B. Arzt) ist die gleiche Balance schwerer.
Game Time — Mein Ansprechpartner ist ein Kind
Fünf typische Kind-Aussagen, Marija antwortet mit Sales- Techniken. „Ich will das nicht" — „Was denn?" „Ich hab keine Lust" — „Wozu denn?" „Ich mach das später" — „Ja, kein Problem, wann kann ich dich anrufen?"
- Kind-Trotz = Standard-Einwand — strukturell identisch.
- Gegenfragen funktionieren bei Kindern und Kunden gleichermaßen.
- Wer mit einem trotzigen Kind ein Verhandlung führen kann, kann auch einen schwierigen Lead verhandeln.
Sind Mütter die besseren Vertriebler?
Marijas klare Antwort: Mütter sind die Manager zu Hause — damit haben sie alle Skills, die der Vertrieb braucht. Verhandlung, Geduld, spielerischer Umgang, klare Priorisierung.
- Mutter = Familie-Managerin = bestens trainierter Vertriebler.
- Verhandlungsgeschick + Geduld + Spielerischsein = die Vertriebs-Trias.
- Skills, die nicht aus dem Vertriebstraining kommen, sondern aus dem täglichen Familienleben.
Wichtigste Erkenntnisse
- Verhandeln mit Kleinkindern trainiert dieselben Muskeln wie Verhandeln mit B2B-Kunden — beides erfordert Zuhören vor Reden.
- Die Kurze-Hosen-Taktik funktioniert auch im Sales — lass den Kunden seinen eigenen Weg testen, er kommt meist zurück.
- Be bold, aber respektvoll — wer wie alle klingt, wird vergessen.
- Mutterschaft schärft Geduld, Zuhören und Verhandlungsgeschick — genau die Sales-Trias.
- „Wie wollen Sie das denn machen?" als Einwand-Antwort — der Kunde demonstriert sein eigenes Defizit selbst.
- Zwei vordefinierte Optionen schlagen offene Fragen — beim Anziehen kleiner Kinder wie beim Meeting-Buchen.
- Outsourcen, was geht (Maschinen, Mini-Aufgaben für Kinder) — die gewonnene Zeit in qualitative Präsenz investieren.
- Flexibilität des Arbeitgebers ist Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Kind und B2B-Vertrieb.
- Mütter sind im Vertrieb oft die besseren Akteure — sie bringen alle Skills aus dem Familienmanagement mit.
Pull Quotes
„Mit Kleinkindern verhandelt man von früh morgens bis spät abends — wer das überlebt, bringt Sales-DNA mit."
„Die Kurze-Hosen-Taktik: lass das Kind die Kälte spüren — und den Kunden sein eigenes Skript scheitern lassen."
„Mütter sind die Managerinnen im Zuhause — damit sind sie natürlich auch gute Vertriebler."
Gast
Marija Kovačić — BDM, OB2B
Dominka Babić — COO, OB2B (Host)
FAQ
Wie schwer ist die Rückkehr aus der Elternzeit in den Vertrieb?
Beim ersten Mal emotional — das Kind loszulassen. Beim zweiten Mal eher leicht, weil man die Sehnsucht nach Erwachsenen-Gesprächen spürt. Entscheidend: Vertrauen in die Kinderbetreuung und ein flexibler Arbeitgeber.
Welche Skills aus dem Mutterdasein helfen im B2B-Vertrieb?
Verhandlungsgeschick (Kleinkinder verhandeln dauernd), Geduld (sie ist nicht verhandelbar), und besseres Zuhören (Worte sind nicht alles). Alle drei machen im Sales den Unterschied.
Was ist die „Kurze-Hosen-Taktik" in der Kundenbetreuung?
Wenn der Kunde auf seinem Skript besteht, das erkennbar schlechter ist — lass ihn es versuchen. Nach 2–3 Monaten ohne Ergebnis ist er bereit für deine Lösung. Wie beim Kind mit kurzen Hosen im Schnee.
Wie wehrt man den Einwand „das machen wir selbst" ab?
Mit der Gegenfrage „Und wie wollen Sie das denn machen?" — das zwingt den Kunden, sein eigenes Vorgehen offenzulegen, und meist erkennt er live, wie unterlegen es ist. Wahrheit als Werkzeug, keine Manipulation.
Sind Mütter wirklich bessere Vertriebler?
Mütter sind die Managerinnen im Zuhause — sie verhandeln dauernd, hören zu, priorisieren, lenken Emotionen. Genau die Skills, die der B2B-Vertrieb braucht. Die Antwort fällt im Gespräch eindeutig aus.
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