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BDR gesucht: Was macht einen Kaltakquise-Profi aus?

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In dieser Folge

Folge 6 der Reihe Dialing Out. Dominka spricht mit Martin, Quality Assurance Manager bei OB2B, ehemals selbst BDR. Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie für die Kaltakquise einstellen? Welche Eigenschaften machen einen wirklich erfolgreichen BDR aus?

Es geht um Empathie, Anpassungsfähigkeit und Zuhören als Kernkompetenzen — und um die Frage, woran man im Bewerbungsgespräch echtes Potenzial erkennt. Plus Red Flags, Onboarding-Praxis und ein Game Time, das verrät, ob lieber Erfahrung oder Motivation eingestellt wird.

Lesezeit: 7 Minuten

Wir besprechen

  • Warum gesunde Skepsis bei jedem Kandidaten hilft
  • Sind Frauen die besseren BDRs?
  • Empathie und Einfühlungsvermögen als Kernkompetenz
  • Ablehnung verarbeiten — keine Frage des Geschlechts
  • Kommunikativ sein vs. introvertiert sein
  • Anpassungsfähigkeit: Produkt, Zielgruppe und Markt ändern sich
  • Wie lange darf ein BDR bei einem Projekt bleiben?
  • Zuhören als wichtigste BDR-Eigenschaft
  • Was im Bewerbungsgespräch wirklich zählt
  • Wann Kontrafragen problematisch werden
  • Wie sich Cold Calling in den letzten Jahren verändert hat
  • Onboarding und Entwicklung — was zwingend dazugehört
  • Red Flags bei der BDR-Auswahl
  • Ratschlag für angehende BDRs
  • Game Time — Würdest du lieber?

Show Notes

Skepsis als gesunde Grundhaltung

Auch ein guter Kandidat verdient eine Dosis Skepsis im Einstellungsprozess. Niemand ist fertig — jeder kann besser werden. Diese Haltung schützt vor unrealistischen Erwartungen und macht Entwicklung möglich.

  • Ein „perfekter“ Kandidat existiert nicht — alle haben Entwicklungspotenzial.
  • Skepsis ist kein Misstrauen, sondern eine realistische Erwartungshaltung.
  • Auch Topkandidaten brauchen Onboarding und Lernzeit — nicht sofort Topleistung erwarten.

Sind Frauen die besseren BDRs?

Martins persönliche Beobachtung: Frauen sind im Sales oft stärker, weil sie besser zuhören und Geschichten emotional besser einpacken. Aber das ist eine Tendenz, keine Regel — gute BDRs gibt es in allen Geschlechtern.

  • Empathie und Zuhören sind Stärken, die im Sales-Alltag häufiger bei Frauen beobachtet werden.
  • Pain Points erkennen und den richtigen Pitch wählen — beides kommt aus dem Zuhören.
  • Keine Verallgemeinerung: Männer wie Frauen können Top-BDRs sein.

Ablehnung verarbeiten

Auch Martin selbst kam in seinen ersten BDR-Wochen einmal in Tränen nach Hause. Die Frage ist nicht, ob Ablehnung wehtut — sondern wie man daraus lernt und beim nächsten Call besser wird.

  • Die ersten Neins sind hart — das gilt für alle Geschlechter.
  • Lernen statt verkrampfen — was lief schief, was kann ich ändern.
  • Wer „alles richtig gemacht“ hat und trotzdem auf Ablehnung stößt, hat einfach den falschen Match — kein Drama.

Kommunikativ ≠ extrovertiert

Wer introvertiert ist, kann am Telefon brillant sein, weil introvertierte Menschen oft besser zuhören. Schüchternheit ist nicht dasselbe wie Introversion. Beides darf nicht verwechselt werden.

  • Introvertierte BDRs lesen Stimme und Stress oft genauer als extrovertierte.
  • Privatleben und Berufsleben können sich in Sachen Energiehaushalt unterscheiden.
  • Persönlichkeitstests im Büro haben gezeigt: rund die Hälfte der OB2B-Belegschaft ist introvertiert — und trotzdem erfolgreich am Telefon.

Anpassungsfähigkeit

Im B2B-Outbound ändern sich Produkte, Zielgruppen und Märkte. Wer sich nicht anpassen kann, bleibt nicht lange relevant. Das gilt auch innerhalb von OB2B — BDRs wechseln zwischen Projekten und Branchen.

  • Branchen- und Projektwechsel sind im Agency-Alltag normal — Wechselbereitschaft ist Pflicht.
  • Pitch und ICP werden während eines Projekts mehrfach nachgeschärft.
  • Ein neuer BDR im Projekt bringt frische Perspektiven — alte Hasen können hängen bleiben.

Wie lange ein BDR im selben Projekt bleibt

Bei OB2B in der Regel 2–3 Jahre maximal. Wechsel hilft beiden Seiten — der BDR lernt Neues, das Projekt bekommt frische Energie. Externe Beispiele von „12 Jahre dasselbe Thema“ existieren, sind aber Ausnahmen.

  • Standard bei OB2B: max. 2–3 Jahre pro BDR und Projekt.
  • Auch interne Wechsel motivieren — Neues lernen schlägt Routine.
  • Wer 12 Jahre an einem Thema klebt, muss das Produkt fast religiös leben — selten anzutreffen.

Zuhören als wichtigste BDR-Eigenschaft

Wer am Telefon nicht zuhört, kann nicht steuern. Zuhören ist das Tool, das Pain Points sichtbar macht und den passenden Pitch ermöglicht. Im Bewerbungsgespräch ist es ein beobachtbares Signal.

  • Pain Points entstehen aus dem Zuhören — niemals aus dem vorgefertigten Pitch.
  • Stimme analysieren: Stress, Laune, Eile lassen sich oft heraushören.
  • Im Bewerbungsgespräch zeigt sich Zuhör-Qualität an der Art der Antworten auf offene Fragen.

Was im Bewerbungsgespräch wirklich zählt

Offene Fragen geben mehr preis als geschlossene. Schau, wie der Kandidat antwortet, ob er Bezug nimmt, ob er Aufmerksamkeit zeigt. Vorbereitung auf das Gespräch ist ein klares positives Signal.

  • Open Questions sind die echten Diagnostik-Tools — keine Ja/Nein-Fragen.
  • Wer sich auf die Stellenanzeige vorbereitet hat, signalisiert Engagement.
  • Selbstbewusstsein in der Antwort schlägt jede Lebenslauf-Politur.

Wann Kontrafragen problematisch werden

Kontrafragen sind generell willkommen — sie zeigen Interesse. Problematisch wird's, wenn die Antwort bereits in der Stellenanzeige stand oder im Vorgespräch geklärt wurde — das signalisiert mangelnde Vorbereitung.

  • Kontrafragen zur Rolle, zur Branche, zum Team sind gute Signale.
  • Fragen, die in der Stellenanzeige stehen, sind Red Flag — mangelnde Vorbereitung.
  • „Was passiert, wenn der Job nichts für mich ist?“ ist ein Warnsignal — Unsicherheit vor dem Start.

Wie sich Cold Calling verändert hat

Die größten Änderungen liegen in Tools und Prozessen — KI, Automatisierung, bessere CRMs. Die Erreichbarkeit bleibt schwer, aber gute BDRs stechen aus der saturierten Masse umso deutlicher heraus.

  • Tools haben den Alltag massiv erleichtert — Stift und Papier sind Vergangenheit.
  • Onboarding ist heute strukturierter — neue Kolleg:innen werden gezielter begleitet.
  • Die Konkurrenz schläft nicht — wer hervorsticht, gewinnt das Gespräch.

Onboarding und Entwicklung

Ein guter BDR entsteht nicht durch Werfen ins kalte Wasser. Tools, Verkaufspsychologie, Einwandbehandlung, Gatekeeper-Tricks — alles gehört in einen strukturierten Onboarding-Plan. Geduld ist die unsichtbare Hauptzutat.

  • Eine zuständige Person für jeden Neuen ist Pflicht.
  • Tools, Prozesse, Skript-Anpassung, Einwandbehandlung — strukturierter Onboarding-Plan.
  • Geduld in den ersten Wochen — Kaltakquise braucht Zeit, bis der Knoten platzt.
  • Motivation halten — das Schlimmste sind Wochen ohne sichtbares Resultat.

Red Flags bei der BDR-Auswahl

Schlecht über frühere Arbeitgeber reden. Unmotivierte Grundhaltung beim Gespräch. Übermäßiges Hervorheben eigener Resultate ohne Kontext — alles Warnsignale, die früh wahrnehmbar sind.

  • Ungefragt schlechte Worte über frühere Arbeitgeber — fast immer ein Red Flag.
  • Sichtbare Unmotiviertheit, „den Job nehme ich, weil ich irgendwas brauche“.
  • Resultate hervorheben ohne Kontext — z. B. „100 Meetings im Monat“ ohne Hinweis auf einen 5-Euro-Subscription-Deal.
  • Fehlende Selbstkritik — wer sich nicht hinterfragt, lernt nicht aus Ablehnung.

Ratschlag für angehende BDRs

Bewerbt euch, auch wenn nicht alle Kriterien zu eurem Lebenslauf passen. Vertrieb ist eine Fähigkeit, die man lernt — nicht eine, mit der man fertig ankommt. Wer Lust auf Outbound hat, sollte es probieren.

  • Lust auf Vertrieb schlägt CV-Politur — wir stellen oft BDRs ohne Sales-Erfahrung ein.
  • Wer Kaltakquise beherrscht, beherrscht alles andere im Vertrieb auch.
  • Vertrieb ist eine erlernbare Skill, kein angeborenes Talent.

Wichtigste Erkenntnisse

  1. Wer einen Kaltakquise-Profi sucht, sollte bei jedem Kandidaten gesund skeptisch sein — niemand kommt fertig, alle entwickeln sich.
  2. Empathie und Zuhören sind die zwei wichtigsten BDR-Eigenschaften — wichtiger als Erfahrung.
  3. Introvertiert ≠ schüchtern — introvertierte BDRs sind oft die besten Zuhörer am Telefon.
  4. Anpassungsfähigkeit ist Pflicht — Produkt, Zielgruppe und Markt ändern sich.
  5. Im Bewerbungsgespräch zeigen offene Fragen, wer wirklich zuhört — geschlossene Fragen liefern keine Diagnostik.
  6. Red Flag: schlecht über frühere Arbeitgeber reden, Unmotivation, kontextlose Eigen-PR mit Zahlen.
  7. Wer Kaltakquise beherrscht, beherrscht alles andere im Vertrieb leichter — die Disziplin schult universell.

Pull Quotes

„Kommunikativ heißt nicht extrovertiert — introvertierte BDRs hören oft besser zu.“
„Zuhören ist die wichtigste Eigenschaft, die ein BDR mitbringen muss.“
„Wer Kaltakquise beherrscht, beherrscht alles andere im Vertrieb auch.“

Gast

Martin MihalinecOPM, OB2B

Dominka BabićCOO, OB2B (Host)

FAQ

Welche Eigenschaften sollte ein guter BDR mitbringen?

Empathie, Zuhören, Kommunikationsfreude, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, mit Ablehnung umzugehen — als Lernchance, nicht als persönlichen Angriff. Erfahrung ist sekundär.

Sind introvertierte Menschen schlechter im Cold Calling?

Im Gegenteil — introvertierte BDRs sind oft die besseren Zuhörer und nehmen Stimm-Signale präziser wahr. Schüchternheit und Introversion sollte man nicht verwechseln.

Worauf sollte man im BDR-Bewerbungsgespräch achten?

Offene Fragen stellen und beobachten, wie der Kandidat zuhört und antwortet. Vorbereitung auf die Stellenanzeige zeigt Engagement. Red Flags sind schlechte Worte über frühere Arbeitgeber und kontextlose Selbstbeweihräucherung mit Zahlen.

Wie lange dauert ein gutes BDR-Onboarding?

Mehrere Wochen mindestens. Tools, Verkaufspsychologie, Einwandbehandlung, Gatekeeper-Tipps und ausreichend Begleitung in den ersten Telefonaten — ohne Geduld geht es nicht.

Sollte man als angehender BDR sofort viel Cold-Call-Erfahrung mitbringen?

Nein. Wir stellen regelmäßig BDRs ohne Sales-Vorerfahrung ein. Vertrieb ist eine erlernbare Fähigkeit — wichtig ist die Bereitschaft zum Lernen, nicht das fertige Skillset.