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Einwandbehandlung 2: „Kein Interesse" und „Kein Bedarf"

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In dieser Folge

Folge 15 der Reihe Dialing Out und zweiter Teil der Einwandbehandlungs-Mini-Serie. Dominka spricht zum dritten Mal mit Franjo, BDR bei OB2B, über die zwei meistverbreiteten Standardabwehrformeln am Telefon: „Kein Interesse" und „Kein Bedarf". Was unterscheidet sie? Wie reagiert man clever, ohne pushy zu wirken?

Es geht um Underselling als Türöffner, Empathie vs. Hartnäckigkeit, Timing auf Mikro- und Makro-Ebene und die Frage, wann ein zweiter Anruf wirklich Sinn macht. Plus Game Time: „Pitch den Einwand" — verkaufe das Nein.

Lesezeit: 8 Minuten

Wir besprechen

  • Einwand vs. Vorwand — die Abgrenzung
  • Underselling als Türöffner: „Ich verstehe, wenn das nicht passt"
  • Emotionale vs. rationale Ablehnung
  • Verdauen statt abprallen lassen: der mentale Umgang
  • Hartnäckigkeit ohne Aufdringlichkeit
  • Begeisterung für das Projekt als Treibstoff
  • Tonalität und Wortwahl beim Einwand
  • Timing auf zwei Ebenen: Mikro und Makro
  • Branche und Marktlage als Kontext
  • Verständnis zeigen bei Krise oder Insolvenz
  • Häufige Fehler in der Einwandbehandlung
  • Teamarbeit, wenn dasselbe Nein immer wieder kommt
  • Erfolgsgeschichte aus dem Alltag: „kein Bedarf, wir haben das schon"
  • Case Studies und Referenzen als Hebel
  • Mindset und Rituale gegen den Frust
  • Recherche und Nachbereitung nach einem Anruf
  • Game Time — Pitch den Einwand

Show Notes

Einwand vs. Vorwand

Kein Bedarf und kein Interesse klingen gleich, sind es aber nicht. Kein Bedarf ist ein argumentierter Einwand (Preis, schon vorhanden, Firmenpolitik). Kein Interesse ist meist Vorwand — eine emotionale Abwehrformel ohne Begründung.

  • Kein Bedarf = Einwand mit Argument — verhandelbar.
  • Kein Interesse = Vorwand ohne Argument — emotionale Reaktion.
  • Wer die beiden voneinander unterscheidet, reagiert präziser.

Underselling als Türöffner

Franjos jüngstes Beispiel: er hat einem Ansprechpartner gesagt „ich verstehe, wenn das für Sie nicht das Interessanteste ist" — die Person reagierte mit „wieso geben Sie so schnell auf?" und das Gespräch nahm Fahrt auf. Klassisches Underselling.

  • Sich bewusst unter den Ansprechpartner stellen löst oft die Abwehr.
  • Funktioniert besonders bei Personen mit großem Titel oder Ego.
  • „Sie haben recht, das passt vielleicht nicht …" lädt zum Widerspruch ein.

Emotionale vs. rationale Ablehnung

Kein Interesse ist meistens emotional — die Person mag keine Cold Calls und reagiert defensiv. Kein Bedarf dagegen lädt zum Gespräch ein, weil sich daraus Pain Points herausarbeiten lassen.

  • Emotionale Reaktion erkennen — sie ist nicht persönlich gemeint.
  • Rationale Ablehnung mit Folgefragen aufschlüsseln.
  • Pain Points entstehen aus der Tiefe der Begründung — nicht aus dem Pitch.

Verdauen statt abprallen

„Abprallen lassen" war zu lange das Sales-Mantra. Besser ist „verdauen": Information aufnehmen, mental verarbeiten, die richtige nächste Frage formulieren.

  • Schritt 1: aufnehmen, was der Ansprechpartner gesagt hat.
  • Schritt 2: verdauen — mental verarbeiten, nicht ignorieren.
  • Schritt 3: gezielte Folgefrage stellen, die zur Antwort passt.

Hartnäckigkeit ohne Aufdringlichkeit

Auch wenn der erste Anruf in „kein Bedarf" endet, kann ein Fuß in der Tür für später drin sein. Wer freundlich und respektvoll abschließt, wird beim zweiten Anruf nicht abgewiesen.

  • Sechs Monate später nochmal anrufen — neue Investoren, neue Lage, neue Chance.
  • Verständnis-Botschaft hinterlässt einen guten Eindruck — egal ob heute Deal oder nicht.
  • Hartnäckig ≠ pushy — der Unterschied liegt in der Tonalität.

Begeisterung als Treibstoff

Wer für das Projekt Feuer und Flamme ist, findet intuitiver bessere Argumente. Wer halbherzig anruft, hat schon verloren — die Stimme verrät die fehlende Energie.

  • Begeisterung schlägt jede Pitch-Technik.
  • Kreativität in der Einwandbehandlung entsteht aus Engagement.
  • Ohne Feuer für das Projekt: lieber kein Anruf.

Tonalität und Wortwahl

Bei einem Einwand am Telefon: entspannt, ruhig, manchmal sogar leicht verwirrt klingen. „Ich habe Ihre Argumente nicht ganz verstanden — können Sie das näher erklären?" öffnet mehr Türen als jeder Konter.

  • Ruhig bleiben — keine Konfrontation.
  • Wortwahl des Gegenübers spiegeln — zeigt aktives Zuhören.
  • „Bisschen verwirrt klingen" wirkt sympathisch und lädt zur Erklärung ein.

Timing auf zwei Ebenen

Mikro-Timing = wann ist der Ansprechpartner verfügbar (nicht in Meetings, nicht im Urlaub). Makro-Timing = wie steht die Branche oder der Markt gerade? Wer beides beachtet, telefoniert effizienter.

  • Mikro: Tag und Uhrzeit der Erreichbarkeit treffen.
  • Makro: Branchenstimmung, Messen, wirtschaftliche Lage recherchieren.
  • Bei klar schlechtem Makro-Timing: anrufen für die Beziehung, nicht für den sofortigen Termin.

Verständnis zeigen bei Krise

Wenn die Firma in einer schwierigen Lage ist — Insolvenz, Krise, Restrukturierung — funktioniert kein Hard-Sell. Verständnis zeigen, sechs Monate später wieder anrufen. Manchmal kommt ein neuer Investor.

  • Echtes Beispiel: insolvente Firma → 6 Monate später neue Investoren → neuer Termin.
  • Verständnis-Botschaft pflegt die Beziehung über die Krise hinaus.
  • Push in der Krise = verlorener Lead. Empathie = offene Tür.

Häufige Fehler

Der größte Fehler: emotional abschalten und das Gespräch sofort beenden. Zweiter Fehler: dasselbe Skript dreimal hintereinander durchziehen, ohne anzupassen. Dritter Fehler: ungeduldig werden.

  • Sofort emotional abschalten = alle Möglichkeiten weggeworfen.
  • Skript Wort für Wort wiederholen, ohne anzupassen.
  • Aufgeben, bevor man wenigstens eine Folgefrage gestellt hat.

Teamarbeit bei Wiederholungs-Neins

Wenn dieselbe Begründung mehrfach kommt, ist es Zeit für das Team: PM, Partner, QA-Manager, Kolleg:innen. Andere Pitch-Variante? Anderer Skript-Ansatz? Andere Branche probieren?

  • Mehrfaches identisches Nein = Signal zur Anpassung.
  • PM und QA-Manager bringen externe Perspektive ein.
  • Kolleg:innen mit ähnlichem Erfahrungsschatz fragen — Best Practices teilen.

Erfolgsgeschichte aus dem Alltag

„Kein Bedarf, wir haben das schon." Franjo fragt nach, was genau. Antwort: self-built software, nicht professionell. Mit Hinweis auf jahrzehntelange Erfahrung und passende Lösung — und der Ansprechpartner kommt ins Erzählen seiner Pain Points.

  • „Was genau haben Sie?" als Folgefrage zu „kein Bedarf".
  • Self-built ≠ professional — oft die Lücke, die ihr füllt.
  • Aus „kein Bedarf" ein detailliertes Pain-Point-Gespräch machen.

Case Studies als Hebel

Wer in der gleichen Branche schon eine Erfolgsgeschichte hat, kann sie als Türöffner einsetzen. „Bei Firma X haben wir genau dieses Problem gelöst — möchten Sie wissen wie?" Funktioniert, wenn die Branche stimmt.

  • Branchen-Match ist Voraussetzung — sonst wirkt es generisch.
  • Case Study = Beweis, dass die Lösung funktioniert — nicht nur Behauptung.
  • Referenzkunden gehören in den Pitch, wenn der Anlass passt.

Mindset und Rituale

Nach harten Tagen mit vielen Neins: Sport, Hobby, Soziales — der Frust gehört raus, nicht in den nächsten Anruf. Wer den Job mental verteidigt, telefoniert nachhaltig.

  • Frust raus aus dem System — ins Gym, nicht in den nächsten Call.
  • Das nächste Telefonat verdient eine frische Stimme.
  • Den Job nicht persönlich nehmen, aber die Arbeit ernst.

Recherche nach dem Anruf

Wenn das Bauchgefühl sagt „da war noch was": nach dem Call kurz recherchieren. LinkedIn, Website, News. Oft erfährt man Details, die im nächsten Anruf den Unterschied machen.

  • Bauchgefühl ernst nehmen — manchmal hat der Ansprechpartner etwas verschwiegen.
  • LinkedIn + Website + News = das Recherche-Dreieck nach jedem Call.
  • Neue Infos = neuer Aufhänger für den Folgekontakt (Mail oder Call).

Game Time — Pitch den Einwand

Verkaufe „kein Interesse" als wäre es das beste Produkt der Welt. Franjos Pitch: filtert die schlechten Vertriebler raus, kostet nichts, beste Kombination mit „auflegen". Absurd-philosophisch.

  • „Kein Interesse" als Filter für die Cream of the Crop der Vertriebler.
  • Kostenlos und beliebig oft einsetzbar — der ultimative Lifehack.
  • Spielerische Übung schärft die Wahrnehmung für Einwand-Mechanismen.

Wichtigste Erkenntnisse

  1. „Kein Bedarf" ist ein argumentierter Einwand, „kein Interesse" meist ein emotionaler Vorwand — beide brauchen unterschiedliche Antworten.
  2. Underselling („ich verstehe, wenn das nicht passt") öffnet oft Türen, die ein Konter nicht öffnet.
  3. Verdauen statt abprallen — Information aufnehmen, mental verarbeiten, präzise Folgefrage stellen.
  4. Hartnäckigkeit ohne Aufdringlichkeit — den Fuß in die Tür setzen, nicht hineintreten.
  5. Begeisterung für das Projekt liefert intuitiv bessere Argumente als jede Pitch-Technik.
  6. Timing auf zwei Ebenen beachten: Mikro (Person) und Makro (Branche, Markt).
  7. Bei Krise oder Insolvenz: Verständnis zeigen, 6 Monate später wieder anrufen.
  8. Wiederholtes identisches Nein = Signal zur Team-Reflexion — PM, Partner, QA-Manager hinzuziehen.
  9. Erfolgsgeschichten und Case Studies sind starke Hebel — wenn die Branche passt.
  10. Frust gehört raus aus dem System — Sport, Hobby, Soziales — bevor der nächste Anruf beginnt.

Pull Quotes

„‚Kein Bedarf' lädt zum Gespräch ein. ‚Kein Interesse' ist meist nur emotionale Abwehr."
„Underselling ist kein Schwächezeichen — es ist eine Einladung zum Widerspruch."
„Frust gehört ins Gym, nicht in den nächsten Anruf."

Gast

FranjoBDR bei OB2B

Dominka Host

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen „kein Bedarf" und „kein Interesse"?

„Kein Bedarf" ist ein argumentierter Einwand (Preis, schon vorhanden, Firmenpolitik) und meist verhandelbar. „Kein Interesse" ist häufig ein Vorwand — eine emotionale Abwehrformel ohne Begründung. Beide brauchen unterschiedliche Antworten.

Was ist Underselling und wann funktioniert es?

Underselling heißt, sich bewusst unter den Ansprechpartner zu stellen — z. B. „ich verstehe, wenn das nicht zu Ihnen passt". Funktioniert besonders bei Personen mit großem Ego oder Titel, weil es zum Widerspruch einlädt.

Wann macht ein zweiter Anruf nach „kein Bedarf" Sinn?

Nach mehreren Wochen oder Monaten — die Situation kann sich geändert haben (neue Investoren, neue Projekte, neuer Bedarf). Wer freundlich abgeschlossen hat, wird beim zweiten Anruf nicht abgewiesen.

Was hilft, wenn dasselbe Nein immer wieder kommt?

Teamarbeit. Projektmanager, Partner, QA-Manager und Kolleg:innen bringen externe Perspektive — andere Pitch-Variante, anderer Skript-Ansatz, andere Branche. Mehrfaches identisches Nein ist ein klares Anpassungssignal.

Wie geht man mental mit vielen Ablehnungen am Tag um?

Frust raus aus dem System — Sport, Hobby, Soziales. Den Frust nicht in den nächsten Anruf mitnehmen. Das nächste Telefonat verdient eine frische Stimme — Ablehnung persönlich zu nehmen ist der direkte Weg zum Burnout.