20/11/2025

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B2B-Kaltakquise: Gewinnt Quantität oder Qualität am Telefon?

In dieser Folge

In dieser Folge spricht der Host mit Marija (BDM, rund 10 Jahre Erfahrung in Kaltakquise, Sales & Aftersales) über die zentrale Frage im B2B-Vertrieb: Reicht es, „wenige, perfekte“ Gespräche zu führen – oder entscheidet am Ende doch die Menge der Anrufe?
Sie sezieren, was Quantität in der Kaltakquise praktisch bedeutet (Lead-Pool, Anruf-Frequenz, Versuche pro Kontakt) und wie echte Qualität im Gespräch entsteht: durch Fragen, Zuhören, klare Frameworks im CRM und konsequente Follow-ups.

Der rote Faden: Quantität und Qualität sind kein Entweder-oder. Ohne tägliche Anruf-Routine entsteht keine Qualität, und ohne qualitativ geführte Gespräche bringen viele Calls keine Termine. In einem kleinen Spiel „Quantität oder Qualität?“ gehen die beiden typische Callcenter-Szenarien durch und entscheiden live, wo mehr Volumen und wo mehr Tiefgang nötig ist.

Lesezeit

7 Minuten

Wir besprechen

  • Was „Quantität“ in der Kaltakquise wirklich bedeutet (Lead-Pool & Call-Volumen)

  • Warum ein großer Pool potenzieller Firmen für B2B-Calling unverzichtbar ist

  • Wie viele Versuche pro Ansprechpartner sinnvoll sind (von 5 bis zu 20 Calls)

  • Wann sich Hartnäckigkeit für Wunschkunden wirklich lohnt

  • Quantität als Trainingsprogramm: Warum Übung am Telefon nicht ersetzbar ist

  • Tägliche Telefonakquise vs. „ein Tag pro Woche telefonieren“

  • Was ein „gutes Gespräch“ ausmacht – über Meetings hinaus

  • Realistische Call-Zahlen: 6–8 Gespräche pro Stunde statt 10–12

  • Qualität im Gespräch: Fragen, Pain Points und echter Dialog statt Monolog

  • Datenqualität, CRM-Struktur und Leadhygiene als Basis für gute Calls

  • FOMO im Sales: Wie Timing & Präsenz über Deals entscheiden

  • Follow-up-E-Mails direkt nach dem Call – auch an info@-Adressen

  • Typische Callcenter-Szenarien im Game „Quantität oder Qualität?“

  • Mindset in der Kaltakquise: Probleme lösen statt „irgendwas verkaufen“

Show Notes

Quantität in der Kaltakquise: Lead-Pool & Call-Volumen

Ein Einstieg in die Frage, was Quantität im B2B-Calling konkret bedeutet: nicht nur „viele Calls“, sondern vor allem ein großer, sinnvoll definierter Pool an potenziellen Firmen.

  • Wer nur 10 Wunschfirmen auf der Liste hat, hat statistisch kaum Chancen auf Bedarf & richtige Ansprechpartner

  • Ein breiter, sauber aufgesetzter Lead-Pool ist Voraussetzung, um überhaupt genügend Gespräche zu führen

  • Quantität heißt auch, mehrere Kontakte innerhalb einer Firma anzurufen – nicht nach einem Versuch aufzugeben

5 bis 20 Call-Versuche: Wie hartnäckig sollte man sein?

Marija beschreibt ihre persönliche Untergrenze: fünf ernsthafte Versuche pro Kontakt, bevor ein Lead auf Wiedervorlage (halb- oder jährlich) gelegt wird.

  • Unter fünf Versuchen hat man oft nicht einmal einen echten Ansprechpartner zu fassen bekommen

  • Bei strategisch wichtigen Wunschkunden sind bis zu 20 Anrufversuche sinnvoll – gerade bei großen, globalen Firmen

  • Entscheidung, mehr Energie zu investieren, basiert eher auf Recherche & Relevanz der Firma als auf spontanen Gefühlen

Quantität als Lernmotor – warum Übung Qualität erzeugt

Viele und regelmäßige Anrufe sind nicht nur für Pipeline wichtig, sondern für das Können am Telefon. Quantität ist der Trainingsplatz für Qualität.

  • Nur wer häufig telefoniert, lernt Tonlagen, Stimmungen und Situationen von Ansprechpartnern richtig zu lesen

  • Mit wenigen, „perfekt vorbereiteten“ Calls pro Tag fehlt die Erfahrung, spontane Einwände zu meistern

  • Kaltakquise ist wie Sport: Wer nur einmal pro Woche trainiert, wird kein Profi – tägliche Routine ist Pflicht

Tägliche Kaltakquise statt „Fokus-Tag“

Die beiden sind sich einig: Kaltakquise muss eine tägliche Aktivität mit ähnlichem Umfang sein, nicht ein einmaliger Aktionstag.

  • Wer nur einen Tag pro Woche telefoniert, verpasst an allen anderen Tagen Erreichbarkeitsfenster von Entscheidern

  • FOMO (Fear of Missing Out) im Sales: Wenn du nicht anrufst, ruft jemand anders an – der vielleicht schlechter ist, aber präsenter

  • Tägliche Aktivität ermöglicht es, unterschiedliche Zeiten zu testen und Muster in Erreichbarkeit zu erkennen

Was ein qualitativ starkes Gespräch ausmacht

Qualität am Telefon entsteht nicht durch „schöne Phrasen“, sondern durch gezielte Fragen und echtes Zuhören.

  • Kurze, klare Vorstellung: Wer bist du, wen repräsentierst du, was bietest du grob an – ohne fünfminütige Einleitung

  • Einstieg mit einer Frage, die einen konkreten Pain Point adressiert, statt generischer „Haben Sie Software für…?“-Fragen

  • Dialog statt Monolog: Antworten aufnehmen, nachfragen, anpassen – nicht einfach Skript herunterlesen

Meetings, Absagen & Research als Qualitätshebel

Nicht jedes gute Gespräch endet mit einem Termin – und nicht jeder Termin ist sinnvoll.

  • Marija vereinbart nur Meetings, wenn sie sicher ist, dass sie inhaltlich etwas bringen; sonst ist es Zeitverschwendung

  • Gespräche ohne Meeting liefern oft wertvolle Insights: Gründe für Absagen, neue Pain Points, Ideen für Produkt & Pitch

  • Wiederholte gleiche Einwände können Hinweise geben, wie das Angebot angepasst oder der Pitch geschärft werden sollte

Framework, CRM & Leadhygiene: Qualität außerhalb des Telefonats

Das perfekte Gespräch steht nie für sich allein – es hängt an sauberer Vorbereitung und Nachbearbeitung.

  • Gute Datenbasis: Kontaktdaten & Infos liegen strukturiert in CRM oder zumindest Excel, nicht in Notizzetteln

  • Jede Interaktion wird dokumentiert: Wer, wann, worüber, welche nächste Aktion – damit du oder Kolleg:innen nahtlos übernehmen können

  • Leadhygiene bedeutet, dass Daten pflegbar, auffindbar und aktuell bleiben, statt in chaotischen Listen zu versanden

Timing, Verbindlichkeit und Follow-ups

Verbindlichkeit ist ein Kernelement von Qualität: Absprachen müssen gelebt werden.

  • Nächste Aktion (Call, Mail, Termin) wird im Gespräch klar vereinbart – Zeitpunkt und Kanal inklusive

  • Wenn ein Ansprechpartner sagt, er sei in Woche X erreichbar, wird genau dann nachgefasst; sonst gehen Fenster verloren

  • E-Mails direkt nach dem Call – gerade bei kurzen Gesprächen – halten Erinnerung frisch und wirken professionell

Mindset: Probleme lösen statt „verkaufen müssen“

Marija beschreibt ihr Mindset als Gespräch auf Augenhöhe mit jemandem, der sehr wahrscheinlich echte Probleme hat.

  • Ziel ist nicht, „irgendwas“ zu verkaufen, sondern zu prüfen, ob man mit dem eigenen Angebot wirklich helfen kann

  • Gesprächsangst vor Geschäftsführern oder „Head of“-Rollen nimmt ab, wenn man sie als Menschen mit Problemen sieht, nicht als Richter

  • Wenn kein Bedarf da ist, wird nicht krampfhaft ein Meeting gepusht – Qualität heißt auch, Nein akzeptieren zu können

Game: Quantität oder Qualität in typischen Szenarien

Im spielerischen Part entscheiden die beiden bei typischen Callcenter-Situationen, ob eher Quantität oder Qualität fehlt.

  • 50 Calls mit starkem Standard-Pitch vs. 10 hochrecherchierte Calls: Marija nimmt die 50 – vorausgesetzt der Standard-Pitch ist gut und flexibel

  • Nur neue Leads vs. nur alte Kontakte nachfassen: Beides ist nötig – neue Türen öffnen und bestehende Chancen pflegen

  • „Fokus-Tag“ nur für High-Value-Targets: in der Praxis unrealistisch, weil Entscheider nie alle am selben Tag erreichbar sind

  • Viele Calls ohne Dokumentation: klare Absage – ohne Notizen ist jeder nächste Tag wie ein Neustart

Wichtigste Erkenntnisse

  1. Quantität ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung, um überhaupt an die richtigen Ansprechpartner zu gelangen.

  2. Mindestens fünf ernsthafte Versuche pro Kontakt sind sinnvoll, bei strategischen Wunschkunden kann es bis zu 20 Anrufe brauchen.

  3. Kaltakquise muss täglich stattfinden – „ein Calling-Tag pro Woche“ reicht nicht, um Pipeline und Lernkurve aufzubauen.

  4. Ein gutes Gespräch definiert sich durch klaren Einstieg, Pain-Point-Fragen und echten Dialog – nicht durch perfekt auswendig gelernte Skripte.

  5. Qualität entsteht über viele Gespräche hinweg: durch Notizen, Leadhygiene, sauberes CRM und konsequente Wiedervorlagen.

  6. Follow-up-E-Mails direkt nach dem Call stärken Verbindlichkeit und Wiedererkennung – selbst an generische info@-Adressen.

  7. Quantität und Qualität sind untrennbar: Ohne Volumen kein Training, ohne Qualität bringen viele Calls weder Meetings noch Deals.

  8. Das richtige Mindset („Ich löse Probleme“ statt „Ich muss verkaufen“) macht Gespräche entspannter, menschlicher und erfolgreicher.

Pull quotes

„Quantität ist der Türöffner für Qualität – ohne Übung am Telefon entsteht keine gute Gesprächsführung.“

„Mit drei Anrufen am Tag wirst du weder die richtigen Ansprechpartner finden noch lernen, wie du sie wirklich überzeugst.“

„People buy from people – gerade in der Kaltakquise bleibt alles extrem menschlich.“

Gast

Marija — BDM, OB2B
Dominka — Host, OB2B

FAQ

Wie viele Calls sollte ich als B2B-Caller pro Tag schaffen?
Marija orientiert sich an 6–8 guten Gesprächen pro Stunde. Das beinhaltet, dass du Zeit hast, Fragen zu stellen, Infos zu notieren und Follow-ups vorzubereiten. Reine „Durchklingel-Zahlen“ ohne Qualität zählen nicht – lieber solide 50 strukturierte Kontakte am Tag als 100 undokumentierte Schnellschüsse.

Wie oft sollte ich denselben Ansprechpartner maximal anrufen?
Als grobe Regel sieht Marija fünf ernsthafte Versuche als Minimum, bevor ein Kontakt auf Wiedervorlage für ein halbes Jahr oder länger gelegt wird. Bei Wunschkunden, die perfekt ins Zielprofil passen, darf es deutlich mehr sein – bis zu 20 Versuche, gerne auch über mehrere Ansprechpartner in derselben Organisation verteilt.

Was unterscheidet ein qualitativ gutes Kaltakquise-Gespräch?
Ein Qualitätsgespräch startet mit einer kurzen, klaren Vorstellung und geht sofort in eine sinnvolle Frage über, die einen Pain Point adressiert. Es ist ein Dialog, in dem der Caller aktiv zuhört, nachfragt und seinen Pitch anpasst. Ziel ist entweder ein gut begründeter Termin oder ein ehrliches, begründetes „Nein“ – nicht einfach eine abgespulte Produktpräsentation.

Wie viel Vorrecherche ist sinnvoll, bevor ich zum ersten Mal anrufe?
Zu tiefe Einzelrecherche vor dem Erstkontakt kann Quantität killen. Sinnvoll ist, auf einer guten Datenbasis (CRM, saubere Listen) aufzusetzen und dann im Rahmen der Akquise nachzuschärfen. Ein starker Standard-Pitch, den du spontan variieren kannst, ist oft wertvoller als 10 Minuten LinkedIn-Research vor einem Call, der nie zustande kommt.

Hartnäckige Ansprechpartner in der Kaltakquise: 4 Typen & wie du sie knackst

In dieser Folge von „Dialing Out“ spricht Dominka mit Valentina, BDM bei OB2B, über ein Thema, das jeden im B2B-Vertrieb trifft: hartnäckige Ansprechpartner, die einfach nicht vorwärts machen wollen. Statt über klassische Einwände zu sprechen, seziert ihr vier typische „Hartnäckigkeits-Typen“ – vom Besserwisser bis zum Gatekeeper – und was du konkret am Telefon tun kannst.

Homeoffice oder Büro: Wo lauert die echte Ablenkung

Der Kernnutzen dieser Folge: klare, alltagstaugliche Regeln für Benachrichtigungen, Mikro-Pausen, Tagesplanung und Grenzen setzen – speziell für Rollen mit viel Telefonie (BDR/SDR), aber übertragbar auf jede Wissensarbeit.